Samstag, 26. Juni 2021

14.Tag: Von Oranienburg nach Neuruppin

 die Karte

(frie)Die gute Nachricht zuerst: Am Ende des Tages war alles gut und ich hab im Ruppiner See gebadet. Und es war ein herrliches, ausgiebiges Schwimmen!
Nach üppigem Frühstück mussten wir leider weiter, die Unterkunft "Eden" hat 5 Sterne von uns bekommen, wir können sie nur empfehlen. Danke nochmal Carmen!
 
 

Das Radeln heute stand allerdings unter keinem guten Stern.
Als erstes hat uns der Albert in die Pampa geschickt, zwischen Maisfelder haben wir uns mühsam einen Weg im Sand gebahnt, manchmal ging fast sogar das Schieben nicht mehr. Und es war eine völlig nutzlose Schleife, die uns gar nicht weitergebracht hat.


 


Diese 2-3 km haben uns eine halbe Stunde gekostet und eigentlich müssten sie auf dem Tacho vierfach zählen. Gefahren insgesamt sind wir 54 km, also waren es mit Sandwegerschwernis heute mal wieder mindestens 62 km.

Dann haben wir den "Ruppiner See Radweg" gefunden, juhuuu. Aber der war so schlecht ausgeschildert, dass wir dauernd mit Karte und Navi nachbessern mussten und immer wieder haben wir uns auch vertan. Einmal sind wir eine fiese Landstraße mit viel Verkehr und rücksichtslosen SUV Fahrern geradelt, das war kurz vor dem Tierpark "Germendorf" und wahrscheinlich saßen in jedem Auto ein paar quengelnde und streitende Kinder und total genervte Eltern. Die Sommerferien haben ja diese Woche begonnen.







Mal ging es auch ganz hübsch durch einen Kiefernwald aber die Idee, den ganzen Tag fröhlich am Neuruppiner See entlangzuradeln und immer mal wieder ein kurzes Bad zu nehmen, konnte ich mir abschminken. 
Wir waren auf der falschen Seeseite und haben dazu noch die Variante "Ruppiner Radweg durch historische Dorfkerne" erwischt, d.h. es ging immer wieder ein Hügelchen hinauf, durch ein ödes Dorf mit ganz üblem spitzen Kopfsteinpflaster und Seitenstreifen aus tiefem Sand.
Immer mal wieder gab es Plakate einer Fahrradinitiative, die sich für bessere Radwege stark macht. Eine Fahrraddemo war wegen Corona leider nicht genehmigt worden. Da wär ich sofort mitgeradelt!

Über das schöne Neuruppin wird Manne euch berichten. Ich geh jetzt in die Klosterkirche, da ist heute "Orgelmarathon von 10 bis 22 Uhr".

Also gut:

Doch ehe ich vom heutigen Tag berichte, muss ich Euch noch eine verrückte Geschichte zu Eden erzählen, und warum wir uns gestern Abend auf einmal nach Argentinien versetzt gefühlt haben.
"Villa Gesell" ist eine verrückte Siedlung am Meer unterhalb von Mar del Plata. Wie, um alles in der Welt hängt das Hippiedorf mit den Lebensreformlern aus Eden zusammen? Da war ein Rheinländer Silvio Gesell, in den 1860ern geboren, der hat sich sehr für wirtschaftliche Zusammenhänge, Vegetarismus und die Lebensreformbewegung interessiert. Hat eine zeitlang auf einem Bauernhof in der Schweiz in einer Art Landkommune gelebt, ist nach Argentinien ausgewandert, zurückgekommen, war Finanzminister in der Münchner Räterepublik, nach seiner Verhaftung durfte er nicht mehr in die Schweiz und zu daraufhin in die Genossenschaftliche Siedlung Eden, wo er 1930 starb. Sein Sohn Carlos, der schon in der Landkommune in der Schweiz aufgewachsen, wollte im Sinne seine Vaters in Argentinien eine Lebensreform Siedlung gründen. Scheiterte mehrfach, doch dann mit der Hippiebewegung der 60er wurde Villa Gesell plötzlich "in" und Villa Gesell in den Dünen wurde zum Geheimtipp. Und jetzt kommen wir ins Spiel. Freunde von uns in Buenos Aires, noch immer sehr "hippiesk"- der Vater hatte im Radio ein Nachtprogramm, in dem es um Parapsychologie, Ufologie, Schamanen... ging, der Sohn war mit Till in der Klasse. Und so kam es, dass unser erster Urlaub in Osterferien ins Häuschen unserer Freunde nach Villa Gesell ging. Und gestern, 23 Jahre später landen wir in "Eden" - wie sich manchmal die Wege kreuzen.

Ok, zurück in "Gottes Streusandbüchse", Friederike hat es schon beschrieben, die Strecke, vor allem die Ausschilderung war bisweilen unter aller Kanone, aber dann auch wieder sehr reizvoll, reizvoll auch im Sinne von Schnaken um "die Beene".
Eigentlich hatte ich akribisch geplant und da wäre auch Herrn von Bülows (Loriots) Stammsitz auf dem Weg gelegen. Aber als wir endlich von der bescheuerten Bundestraße runter waren, habe ich jeden "Stammsitz" toll gefunden. 
Der hier ist 


Schloss Sommerswalde, Stammsitz von Graf Keine Ahnung.

Dann endlich Neuruppin! D.h. eigentlich waren wir ganz gut in der Zeit, gegen 15:00 komme ich an unserer Unterkunft Travel Art an, Friederike ist erst einmal auf Suche nach einer Bademöglichkeit losgezogen. 
Mal was Neues. Sehr schönes Appartement gleich neben der Kirche. Nicht ganz leicht zu finden, einfach ein Hoftor. Ach richtig, ich habe ja eine SMS bekommen, mit einem Code für das obere Kästchen, da drinnen seien die Schlüssel. Code eingegeben, - Kästchen leer.
Blöd! Ich klopfe an die Tür. Der Gärtner öffnet. "Was, keine Schlüssel? Rufen Sie die Chefin an! Ok, keine Verbindung. Dann versucht es der nette Gärtner auf seinem Gerät. "Die Chefin kommt in 15 Minuten". Klappt Alles wunderbar. Die Chefin kommt, bringt den Schlüssel und sagt: Wenn noch was ist, fragen Sie meinen Mann!"

Stadtrundgang, Neuruppin ist wirklich ein sehr schönes Städtchen.


Und in der Kirche tatsächlich das erste Konzert seit ewigen Zeiten. Seit heute Morgen um 10:00 Uhr findet ein "Orgelmarathon" statt:


Heute Nachmittag spielte der "Radelnde Kantor". Über den kam schon ein Bericht im Fernsehen. Er reist mit dem Rad von Kirche zu Kirche - am liebsten auf dem "Bach-Radweg" und gibt Konzerte.
Friederike ist noch einmal rüber gegangen - ich werde wohl eher gleich Österreich : Italien anschauen.
Fontanes Geburtshaus lag auch auf unserem Rundweg


Und wofür ist Neuruppin noch bekannt? Natürlich die Neuruppiner Bilderbogen!


Theodor Fontane schreibt dazu:

„was iſt der Ruhm der Times gegen die civiliſatoriſche Aufgabe des „Ruppiner Bilderbogens“? (…) Sie ſind der dünne Faden, durch den weite Strecken unſrer eignen Heimath, lithauiſche Dörfer und maſuriſche Hütten und Weiler mit der Welt da draußen zuſammenhängen.“

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Band 1: Die Grafſchaft Ruppin.[3]  
(Wikipedia)
Wie man oben sehen kann, ist der Bildungsgehalt der einzelnen Bögen  seehr unterschiedlich. Grundsätzlich auf billigem Papier gedruckt, erschwinglich für weite Kreise waren die Neuruppiner Bilderbogen sehr beliebt und fanden im 19.Jahrhundert europaweit Nachahmer.


So jetzt fängt Fußball an. Gehabt´s Euch wohl. Wir sehen uns Morgen.        







Freitag, 25. Juni 2021

13.Tag: Von Ketzin nach Oranienburg/Eden

 die Karte





In Eden angekommen!! Der bisher schönste Platz zum Bloggen. Es geht ein angenehmer Wind, Rosenduft in der Luft. Gerade haben wir lecker Kaffee getrunken.
Hier könnte man bleiben.
Aber von Anfang an:

Vom Gutshof Havelland, der auf den ersten Blick begeistert hat, reisen wir ohne Bedauern wieder ab. Es sind manchmal die kleinen Dinge, die den Ausschlag geben. Ultraschmale Einzelbetten, Matratzenschoner aus Plastik unter dem Bezug - als stünde man als Gast grundsätzlich unter dem Generalverdacht, Bettnässer zu sein. Eine einzige Steckdose, Rechnung bezahlen bei Ankunft- jeder Gast ist ein potentieller Zechpreller! Keine Fahrradgarage, aber ein Dutzend Autogaragen. - Kunstdrucke an der Wand und Designkrimskrams sind eben nicht alles.

Die heute Strecke bietet zwar keine Radwege mit Namen - außer dem Fontaneradweg auf den ersten 10 km, aber auch stinknormale Radwege fahren sich gut, wenn sie von der EU finanziert mit feinem Asphalt versehen wurden.
"Berge" halten sich in Grenzen.




Gleich nach dem ersten Hügel, diese Straße


Erinnert Ihr Euch? Die Straße runter und Ihr kommt nicht nach Knoblauch, weil es Knoblauch gar nicht mehr gibt!!

Dann Brieselang, Falkensee, Schönweide.. wir streifen Berlin gerade so mal eben. Falkensee hat S-Bahnanschluss. Aber heute:

Keen Bock auf Balin!!


Ganz in der Nähe unserer heutigen Strecke, wäre in Nieder-Neuendorf das Grenzturmmuseum gewesen. Aber heute steht uns nicht der Sinn nach Grenze, wir wollen nach Eden!

Noch durch Velten mit seinem sicher hochinteressanten Ofenmuseum, aber Öfen bei 25°, da kommen wir im Winter mal wieder vorbei (und schauen uns dann auch die sowjetische Superschneefräse in Aktion an).

Albert hat heute gute Arbeit geleistet. Oranienburg nach dem Radwegschild 16 km, aber wir schleichen uns durch die Rapsfelder gleich in den Ortsteil Eden und sind schon nach 7 km bei Carmen, einer ehemaligen Kollegin von Friederike, hier geboren und irgendwann auch wieder in die alte Heimat gezogen.




Wir werden superherzlich im Paradies erwartet.

" Die nördlich von Berlin in Oranienburg liegende Siedlung Eden Gemeinnützige Obstbau-Siedlung eG wurde am 28. Mai 1893 von 18 Berliner Vegetariern als erste vegetarische Siedlung in Deutschland (und noch vor dem Monte Verità in der Schweiz) unter dem Namen Vegetarische Obstbau-Kolonie Eden e.G.m.b.H. gegründet. Sie lag in einer Größe von 125 ha in der Nähe der letzten S-Bahn-Station von Berlin und sollte Berliner Großküchen vegetarische Produkte liefern. Ab 1920 unter dem Namen Obstbau-Siedelung Eden e.G.m.b.H. geführt, .." (wikipedea)

Aber jetzt höre ich auf, schließlich will Friederike unbedingt ihre Eindrücke noch schildern!!!!

(frieda) Eden ist so schön aber leider funktioniert heute die Datenübertragung von meinem Handy nicht. Deshalb stellt euch vor:
ein kleines flaches Haus mit rotem Teerpappendach, rund um das ganze Haus Rosen in allen Farben und Lavendel, Ein ganz besonders schöner roten Rosenstock am Anfang des Gemüsegartens direkt beim Planschbecken:
(ja, auch der
 Manne fotografiert mal eine Rose)
Verschiedene Sitzplätze rund ums Haus, einer mit Hollywoodschaukel, einer zum Essen, einer mit Strandkorb, einer für die Enkelkinder und dann gibt's noch eine große lange Schaukel an einem sehr hohen Baum und unzählige Töpfe und andere bepflanzte Gefäße mit verschiedenen Blumen  und einen richtigen Gemüsegarten mit Borretsch, Paprika, Bohnen, Salat, Rucola, Zucchini, Erdbeeren, ein kleines Kartoffelfeld,  ein Tomaten-Gewächshaus und hinter dem Haus ein Hühnerstall mit zehn noch jungen badischen Sundheimer Hühner. Außerdem große Rasenflächen mit Obstbäumen, die kleinen Pfläumchen sind schon ein bisschen violett angehaucht...könnt ihr euch das vorstellen, es ist das Paradies, Eden.
Und es ist schön Carmen mal wiederzusehen und ein bisschen Zeit miteinander zu haben. 
Schön ist auch, dass wir nach den fast 80 km gestern heute einen halben Ruhetag haben und so hangle ich mich von Hollywoodschaukel zum Strandkorb und jetzt gleich zu Tische.
Und ob ich danach noch viel schreiben kann.....mal sehen.

...Stunden und Weingläser später:

Das Essen war lecker, der Wein auch und jetzt gibt's noch ein paar Fotos:



so jetzt geht's wieder zum Wein, schönen Abend allerseits!





Donnerstag, 24. Juni 2021

12.Tag: Von Genthin nach Ketzin

die Karte


Heute war ein sehr langer und sehr schöner Radltag. Wir sind 77 km gefahren, unter dunklen Wolken, manchmal leichtem Nieselregen , wenig Wind und bei einem ziemlich perfekten Streckenprofil, also flach.


So sieht ein perfekter Morgen aus: Wasser, Radweg und niemand unterwegs. Da fliegt mein Rad nur so dahin. Man kann ein bisschen Rennen fahren mit irgendeinem Schlepperkahn, und es ist toll, man ist einfach schneller, sofern der Radweg nicht einen unerwarteten Schlenker macht. Aber dann fängt man halt nochmal mit überholen an. Und irgendwann winkt man sich zu, weil man doch schon einiges miteinander erlebt hat.


Und man kann die Entenfamilienclans, die frühmorgens noch unschlüssig auf dem Weg stehen, ins Wasser jagen. Auch wenn sie noch nicht wollten, jetzt sind sie drin und nass und sie beschweren sich.

So vergeht ein Teil des Vormittags ganz gemütlich.

Nach einer Schleuse geht der Radweg nicht mehr ganz so schön weiter und plötzlich verschwindet er  im Gebüsch. Wir haben ziemlich Mühe da wieder rauszufinden, fahren ein Stück zurück, nehmen einen kleinen Weg der vom Kanal weg in den Wald führt,- es ist der Luther-Pilgerweg, den wir schon öfters gesehen haben,- werden von Schnaken fast aufgefressen und treffen zum Glück auf eine paar Häuser und einen Ortskundigen. "Da müsst ihr die  stark befahrene Straße durch den Wald zurückfahren und über die Brücke," berlinert er. Die haben wir bei hochfahren übersehen und hätten sie auch jetzt fast nicht erkannt 

Die stark befahrene Straße bei Wurlitz:



Wir kamen schnell voran und waren um die Mittagszeit schon in Brandenburg. Auch hier wieder Großbaustelle, Umleitung, und damit verlieren wir unseren Radweg wieder aus den Augen. Ein junger Radfahrer schlängelt sich mit uns durch die Baustelle und wir schauen uns die Stadt ein bisschen an.

Überall Möpse:

Brandenburg ist nämlich die Geburtsstadt von Loriot und in der St. Gotthartkirche ist ihm eine nette kleine Ausstellung gewidmet.


Am Trebelsee hab ich noch kurz gebadet, er ist ganz flach und das Seegras hat die ganze Zeit am
Bauch gekitzelt.

 

Jetzt also ich:

Was gibt es noch zu erzählen? Die letzten beiden Tage, entlang der Havel habe ich mich immer wieder gefragt, wie der Transit auf dem Wasser wohl zu DDR Zeiten funktioniert hat. Es gab Binnenschifffahrt, auch in den Westen und es gab Warenverkehr. Wenn man bedenkt, wie überwacht der Transit auf den Autobahnen war, dann kann man sich gar nicht vorstellen, wie man die Schiffe kontrollieren wollte. 
In Brandenburg und danach haben wir uns dann auch auf Fontanes Spuren - d.h. auf "seinem Radweg" bewegt. 
Das Schloss Plaue bei Brandenburg haben wir zwar nicht gesehen, aber der Schloßpark war schön. Am Ausblick auf die Havel, umrahmt von Bär und Ziegenbock


 trafen sich die  Herrschaften zum Tontaubenschießen. Und der Wanderer Fontane?


Der war in Plaue das erste Mal 1874 und hat auch danach seinen Dichterfreund Wiesike immer wieder mal besucht. An Fontane werden wir auch in den nächsten Tagen nicht vorbeikommen. Ob wir es Morgen allerdings schaffen werden Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland zu besuchen, ist eher fraglich.

Vom ersten Teil der abenteuerlichen Fahrt durch Brandenburg hat Friederike ja schon berichtet. Die Ausfahrt war nicht minder kompliziert, ohne die präzise Beschreibung einer netten Dame hätten wir den Havelradweg nach Potsdam wohl nicht wirklich gefunden.
Liebe Brandenburger, gestern in Sachsen-Anhalt, gab es Schilder und Karten - aber keinen Radweg. Ihr habt einen superschönen Radweghighway entlang der Havel gebaut und annähernd 10 km aus Brandenburg raus, - nüscht! Wie der Baliner sacht! Nullkommanünscht an Schildern. Ein superhässliches kleines Wegchen an der B1 (vierspurig) entlang, dann wird er irgendwann mal ordentlich, aber am Einstieg in den eigentlichen Radweg - wieder Null Schilder.
Da müsst Ihr noch dran aabeeten, wa!
Bei Ketzin verlassen wir den Radweg und setzen mit der Fähre über. 


So eine kleine Fähre zu Stoßzeiten hat hohen Unterhaltungswert. Der Fährmann lädt auf, was geht. Wenn Ihr genau hinschaut, dann könnt Ihr auf der Fähre einen Unimog erkennen, mit Anhänger,  daneben gerade so eben 3 PKW. Bei Ankunft wird´s stressig. Vor allem für den Fahrer des superschnieken Elektro-BMWs. Der Unimogfahrer zieht noch ein bisschen nach rechts, - so etwa 50 cm, dann soll der BMW fahren durch die Lücke und runter. Einige Minuten lang passiert nichts, außer dass der BMW-Fahrer heftigst transpiriert. Irgendwann wird es einem anderen SUV Fahrer auf unserer Seite zu blöd, er reißt seine Tür auf, stößt unverständliche Laute aus (für mich) und dirigiert den verängstigten E-BMWler raus. Waren doch wirklich mündestens 5cm Platz auf jeder Seite.
Radfahren kann so schön sein.
Warum wir heute deutlich über 70km lagen, hat damit zu tun, dass ich uns mal was Gutes gönnen wollte. Dass der Gutshof Havelland noch einmal 7 km außerhalb von Ketzin liegt, ist mir bei der Planung nicht aufgefallen.
Hat sich aber gelohnt. Schön gelegen, Mitten in den Feldern, nicht weit von Knoblauch, auf dem 
Fontaneradweg, feines Essen, gediegenes Ambiente. Hat sich gelohnt.
Aber warum erwähnt er "Knoblauch", wird die aufmerksame Leserin fragen.
Die Geschichte muss ich noch los werden. Knoblauch war einmal, gibt´s nicht mehr. 
Ein Ort, schon im 11.Jahrhundert erwähnt, hat eine grauslige "Hostienraub"- Judenvertreibungsgeschichte, aber warum es Knoblauch nicht mehr gibt ist der Hammer. In den 60er Jahren wurde in der DDR nach Erdgas gebohrt und ist fündig geworden. Da man die Infrastruktur noch nicht hatte, wurden ein Konzept entwickelt, das Gas in unterirdischen Lagern zu sammeln. Hat ein paar Jahre funktioniert. Dann wurde das Lager undicht und in Knoblauch kam Kohlenmonoxid raus, dann kam es zu einem Gasausbruch, der nur deshalb nicht zu einer Katastrophe führte, weil es die Knoblaucher es schafften alles offene Feuer sofort zu löschen. Das war aber dann das Ende von Knoblauch und der DDR Gasbevorratung bei Ketzin.
Die Einwohner wurden nach Falkenrehde, wo ich gerade auf der Terrasse sitze und den Blog schreibe, umgesiedelt und der Ort wurde platt gemacht. 
Ein makabres Nachspiel hat die Geschichte noch. Nach der Wende, und zu Zeiten von Klimawandel kamen einige Schlaumeier auf die Idee, man könne doch die ehemaligen Gaslager zum Wegdrücken von CO2 nutzen. Da sage noch einer, wir seien eine lernfähige Spezies!

Zum Schluss noch die Auflösung des Bilderrätsels.
Tina B aus G hat eigentlich die perfekte Antwort gefunden und hat die Banane hochverdient:

"...Das ist eine Fräse, die Pässe freischaufelt, wenn es ordentlich schneit...Die megariesigen Nieten und das komplette Design sehen irgendwie russisch aus (bestimmt noch zu Sowjetzeiten..). Da geht NIX kaputt!"
Besser kann man das nicht ausdrücken - wörtlich hat der stolze Straßenmeister gesagt: "Die geht einfach nicht kaputt!"
Aber J aus A hat auch die richtige Antwort gefunden, er bekommt eine "Geleebanane"- auch lecker, oder?
Jetzt bleibt nur die Frage, wozu brauchen die Parayer im Havelland eine Schneeräummaschine mit der man den St.Gotthardpass problemlos frei bekommt.
Das wär es für heute!
Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen!


Mittwoch, 23. Juni 2021

11. Tag: von Magdeburg nach Genthin

die Karte


Der erste Regentag der Tour. Na ja, es war eher ein Nieseltag, gut zum Aushalten, besser als die große Hitze der vergangenen Woche.

 Aus Magdeburg sind wir schnell. Ein wenig Industriebrache, eine alte Drehbrücke, und schon kommt die gigantische Radbrücke über die Elbe.



Auf der anderen Seite fahren wir durch das wunderschöne Naturschutzgebiet der Elbaue. Gigantische Bäume, Weiden, Pappeln, Eichen, Riesenäste, abgestorbene Bäume. Der asiatische Laubholzbockkäfer hat manchen der Riesen schwer zugesetzt, so steht es auf einer Infotafeln


 Caspar David Friedrich pur.

Dann ein ganz anderes Highlight dieser Strecke. An der Hohenwarthe überquert eine Schifffahrtsstraße die andere. Der Havel-Elbe Kanal wird über die Elbe geführt, um dann als Mittellandkanal den Dortmund - Emskanal, mit der Weser zu verbinden. 

Das ist die Trogbrücke:



Um auf diese Höhe zu kommen, sind beeindruckende Schleusen nötig.


Keine Robbenbabies! - Und Friederike ist trotzdem fasziniert! Es gibt immer wieder Überraschungen.


Das sind die Schleusentore unten. Wenn Schiffe in die Elbe wollen, dann müssen sie vor dieser Schleuse rechts abbiegen und können dann über 



Und sich über die Schleuse Niegripp nach unten absenken lassen.

2016 bin ich an dieser Schleuse ebenfalls abgebogen 


Doch dieses Mal geht es Richtung Berlin auf dem Havelradweg



Sehr angenehme Strecke, - doch nichts dauert ewig. Aus irgendeinem Grund führt der Elbe/Havel-Radweg zurück an die Elbe.



Und wieder fängt es an zu nieseln - und mein Reifen des Vorderrades sieht nicht gut aus!

Doch das soll Friederike erzählen:

(frieda)
erst die gute Nachricht: Wir haben die 500 km erreicht! 
Es ist gleichzeitig auch die Hälfte meiner Radtour und da wird man doch auch ein bisschen wehmütig.
Aber die schlechte Nachricht ist, dass genau an dieser Stelle Mannes Rad einen Platten im Vorderreifen hat. Er versucht noch aufzupumpen, aber schnell ist klar, dass das nicht lange gutgeht.
Weit und breit kein Mensch, kein Dorf, gar nichts, nur wunderschönes plattes Land.
Und ein platter Reifen, haha.



Anhalten und reparieren? Weiterfahren und einen Radladen oder wenigstens eine Tankstelle suchen? Auf jeden Fall mal Richtung nächster Ortschaft radeln.
Und wie bisher bei allen Pannen haben wir großes Glück. Es taucht doch tatsächlich die Straßenmeisterei des Landes Sachsen-Anhalt, Abteilung Parey an unserer Strecke auf. Der Werkhof ist offen, ein paar Leute machen Mittagspause und stellen uns die Werkstatt zur Verfügung. 




Perfekt: Dach überm Kopf, Luft für die Reifen und ein nettes Plauderstündchen mit dem gemütlichen Straßenmeister. Auch er war Radfahrer, ist zur Arbeit und im Job geradelt und hat auf dem Tacho in all den Jahren zweimal die Welt umrundet. Sein Bruder lebt in Onstmettingen, und er besucht ihn oft, es gefällt ihm dort. Bald ist er in Rente, dann zieht er vielleicht auch in den Süden. Hier ist doch sehr wenig geboten, meint er.
Manne wechselt unter seinen fachkundigen Augen den Schlauch, bekommt dann noch das Waschbecken und Seife angeboten und schon geht es wieder los.

Der Straßenmeister erzählt uns beim Rausgehen noch die Geschichte dieses Fahrzeugs, auf das sie alle sehr stolz sind:

Und dies ist das Rätsel des Tages:
Wie heißt diese Maschine und aus welchem Land kommt sie?
Wie immer lockt die Banane!

Es ging abenteuerlich weiter: ein gut ausgeschildeter mit EU-Geldern geförderter Radweg auf einer alten Bahntrasse war angekündigt:


und war ein holperiger, sandiger Weg durch den Wald, mit großen Brocken vom altem Kiesbett. Ja sind wir denn in Polen?


Nun  sind wir in Genthin, die Wiege der deutschen Waschmittelkultur, auf dem Markplatz steht die berühmte Persiluhr "Weiße Dame".


Es gibt auch ein Waschmittelmuseum, leider, leider schon geschlossen.
Dann bleibt eben nur ein leckeres Essen beim Italiener und Fußball. Ciao ciao! 











Dienstag, 22. Juni 2021

10. Tag: Bis Magdeburg

die Karte

Hier kommt noch das Foto zum Mittsommer in Bernberg:


Wieder ein herrlicher Radeltag, bei mäßigen Temperaturen aber heftigem Wind, der häufig von vorne kam.  Bei 16 Grad sind wir gestartet, die Wolken waren recht tief und grau, aber wir hatten Glück, kein Regen kam, und im Tagesverlauf klarte es auf. 
Wie jeden Morgen gab's die Diskussion um den Streckenverlauf und wie immer heißt es Radweg oder Albert, (das ist unser Fahrradnavi). 
Albert berechnet morgens immer ca. 50 km und "updatet" uns dann im Laufe des Tages auf ca. 60 km und zwar immer dann, wenn wir von seiner Route abweichen. Und Albert führt uns gerne auch mal an einer großen Straße entlang und kürzt damit umständliche Schleifen ab.
Der ausgeschilderte Radweg hat immer mehr km als Albert, denn er macht Schleifen und führt an lokalen Sehenswürdigkeiten vorbei (z.B. einem alten Friedhof).  Heute ist der Unterschied besonders groß: ca. 70 km sind angekündigt, der Weg führt an der Saale entlang bis zur Mündung in die Elbe und dann auf dem Elbradweg weiter. 
Also Kompromiss: wir fahren erstmal los, entschieden werden muss in Calbe. 
Der Radweg ist anfangs hübsch in den Flussauen, dann auf einer kleinen, sehr ruhigen Landstraße. Es ist absolut nichts los, kein anderer Radfahrer, keine Landwirte, gar nichts. Die Gegend ist absolut verlassen, Dörfer ausgestorben, mit alten Backsteinhallen, Fenster eingeschlagen, große stillgelegte Landwirtschaftsgebäude. Alte LPG Wege, die aber wirklich gut für Radfahrer hergerichtet sind.




Aber es gibt aber  auch große Erdbeerfelder und schon die ersten Kirschen: 


In Calbe dann die große Diskussion, wie fahren wir weiter und wieder ist es ein freundlicher älterer Mann, der das Fenster öffnet und uns erklärt, wie wir am besten weiterkommen und wo es besonders schön ist. Er war ein passionierter Radfahrer, aber jetzt hat er ein neues Projekt: er renoviert dieses Haus für seine Enkelin.


Vielen Dank nochmal! Und viel Erfolg beim Renovieren, da ist noch ganz schön was zu tun, wir haben reingeschaut.

Leider hat uns ein lokaler Radweg doch verwirrt: der Börde-Hamster ist wahrscheinlich ein Rundweg. Und für eine Radtour gibt es keine schlimmere Sackgasse als ein Rundweg!


Den besten Platz fürs Mittagessen haben wir in den Elbauen gefunden:

So, nun ist der Manne dran:

Ok, 
Magdeburg habe ich schon auf der Elberadtour besucht. Aber dass, ich auch noch einmal das gleiche Hotel gebucht habe, das war mir nicht bewusst gewesen. Erst beim Blick aus dem Fenster, auf die Silos der Mühle "Bördengold" kam die Erinnerung wieder.


Die Magdeburger Börde, die Kornkammer des "Ostens", die haben wir heute wirklich in ihrer Schönheit und mit ihren Schattenseiten kennengelernt. 

Kurz vor Schönebeck kommen wir an einer wirklichen Überraschung vorbei: "Salzelmen",  Bad Salzelmen - noch nie gehört. Dabei war Salzelmen eine der wichtigsten Salinen. Im Königreich Preußen hatte das Gradierwerk eine Länge von über einem Kilometer. Heute sind davon noch über 300m übrig.


Heute dient das Gradierwerk natürlich nicht mehr der Salzgewinnung, sondern es ist Teil des Bäderbetriebs. Aber beeindruckend sind diese Wände aus Schwarzdornreis immer noch, die früher dazu gedient haben, den Salzgehalt der Sole durch Verdunstung zu erhöhen, außerdem blieben Verunreinigungen im Reisig hängen, so dass die Qualität des Salzes erhöht wurde. 



 Bad Salzelmen hat mich wirklich sehr beeindruckt. 
Bei Schönebeck haben wir dann die Elbseite gewechselt und sind zügig durch die Elbauen geradelt.

14:00 waren wir im Hotel, genügend Zeit zur Stadtrundfahrt. Die romanischen Kirchen entlang der elbe sind schon etwas Besonderes. Und heute hatten wir Glück, sowohl die Petrikirche und die Magdalenenkapelle als auch der Dom waren geöffnet. 

Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch in Magdeburg, ist in den letzten Jahren die Verbindung von Antisemitismus und Kirche in Magdeburg sehr gut herausgearbeitet worden. 
Seien es die sogenannten "Hostienschändungen", als auch Hetzpredigten, die letztendlich zur Vertreibung der Juden aus Magdeburg geführt hat.
Im Dom, wie auch in Bamberg auch eine Gegenüberstellung von Synagoge und Ekklesia - nur viel gehässiger als dort. Ekklesia die Gekrönte, Synagoge, mit debilen Gesichtsausdruck, der die Gesetzestafeln aus der Hand fallen.


In Verlängerung der Ekklesia stehen "natürlich" die klugen Jungfrauen, - für mich haben die einen eher "verschlagenen" als einen klugen Gesichtsausdruck.


und die "törichten" Jungfrauen stehen an der Seite der Synagoge und heulen sich die Augen aus, dass sie den "Erlöser" verpasst haben. - Das Bildprogramm der Kirche hat es wirklich in sich.




Die "Judensau", die auch noch im Dom ist, befindet sich in einer Seitenkapelle, die nur "geführt" zugänglich ist - gut so, besser als solche Zeitdokumente einfach verschwinden zu lassen, wie es andernorts geschehen ist.
Ganz in der Nähe steht Barlachs Mahnmal gegen den Krieg von Ernst Barlach, das gleich nach der "Machtergreifung" Magdeburger Christen aus der Kirche entfernen ließen!
Liegt es an mir, oder kann es sein, das Barlachs Bildsprache ein wenig "Staub" angesetzt hat? Die 3 Behelmten sind für mich weder kriegsmüde noch schuldbewusst. Der Herr ohne Helm, mit Seitenscheitel,  der das Kreuz vor sich stehen hat, 

wirkt auf mich ein wenig hilflos.

Eine wirkliche Entdeckung war für mich dieser Herr



Ein schwarzer Ritter? Die Gesichtszüge bedienen fast Stereotype, aber dann auch wieder nicht, denn der Rittersmann ist mit allen Insignien eines Adligen ausgestattet.

wikimedia.org/wiki/

Das kann eigentlich nur der Hl. Mauritius sein, aber eine so frühe Darstellung eines Dunkelhäutigen Heiligen (1.Hälfte 13.Jahrhundert) ist schon sehr ungewöhnlich. Ob es den Hl. Mauritius wirklich gegeben hat, ist zwar nicht so sicher, aber dass er auch Schweizer gerettet haben soll - und deshalb St.Moritz im zu Ehren benannt wurde - das gehört schon zu den wundersamsten Wundergeschichten der Heiligenlegenden.

Magdeburg hat auch noch ein schönes Hundertwasserquartier


Seine Entstehungsgeschichte würde mich sehr interessieren!!

Zum Abschluss eines sehr interessanten Nachmittags hängen wir noch in den Elbauen ab.



Liebe Hallenser, wenn jemand "helle Strände" hat, dann sind das wohl die Magdeburger. 


Aber nach der Etappe ist vor der Etappe! Wir sind gespannt auf Morgen, dann geht es an die Havel.
Bleibt uns gewogen - und schaut wieder vorbei!


38. Tag: Heimfahrt

  Daheim! Hier ist es auch sehr schön!! Das war wirklich eine wunderschöne Reise! Durch 11 Bundesländer. mir/uns bislang unbekannte Teile de...