Samstag, 26. Juni 2021

14.Tag: Von Oranienburg nach Neuruppin

 die Karte

(frie)Die gute Nachricht zuerst: Am Ende des Tages war alles gut und ich hab im Ruppiner See gebadet. Und es war ein herrliches, ausgiebiges Schwimmen!
Nach üppigem Frühstück mussten wir leider weiter, die Unterkunft "Eden" hat 5 Sterne von uns bekommen, wir können sie nur empfehlen. Danke nochmal Carmen!
 
 

Das Radeln heute stand allerdings unter keinem guten Stern.
Als erstes hat uns der Albert in die Pampa geschickt, zwischen Maisfelder haben wir uns mühsam einen Weg im Sand gebahnt, manchmal ging fast sogar das Schieben nicht mehr. Und es war eine völlig nutzlose Schleife, die uns gar nicht weitergebracht hat.


 


Diese 2-3 km haben uns eine halbe Stunde gekostet und eigentlich müssten sie auf dem Tacho vierfach zählen. Gefahren insgesamt sind wir 54 km, also waren es mit Sandwegerschwernis heute mal wieder mindestens 62 km.

Dann haben wir den "Ruppiner See Radweg" gefunden, juhuuu. Aber der war so schlecht ausgeschildert, dass wir dauernd mit Karte und Navi nachbessern mussten und immer wieder haben wir uns auch vertan. Einmal sind wir eine fiese Landstraße mit viel Verkehr und rücksichtslosen SUV Fahrern geradelt, das war kurz vor dem Tierpark "Germendorf" und wahrscheinlich saßen in jedem Auto ein paar quengelnde und streitende Kinder und total genervte Eltern. Die Sommerferien haben ja diese Woche begonnen.







Mal ging es auch ganz hübsch durch einen Kiefernwald aber die Idee, den ganzen Tag fröhlich am Neuruppiner See entlangzuradeln und immer mal wieder ein kurzes Bad zu nehmen, konnte ich mir abschminken. 
Wir waren auf der falschen Seeseite und haben dazu noch die Variante "Ruppiner Radweg durch historische Dorfkerne" erwischt, d.h. es ging immer wieder ein Hügelchen hinauf, durch ein ödes Dorf mit ganz üblem spitzen Kopfsteinpflaster und Seitenstreifen aus tiefem Sand.
Immer mal wieder gab es Plakate einer Fahrradinitiative, die sich für bessere Radwege stark macht. Eine Fahrraddemo war wegen Corona leider nicht genehmigt worden. Da wär ich sofort mitgeradelt!

Über das schöne Neuruppin wird Manne euch berichten. Ich geh jetzt in die Klosterkirche, da ist heute "Orgelmarathon von 10 bis 22 Uhr".

Also gut:

Doch ehe ich vom heutigen Tag berichte, muss ich Euch noch eine verrückte Geschichte zu Eden erzählen, und warum wir uns gestern Abend auf einmal nach Argentinien versetzt gefühlt haben.
"Villa Gesell" ist eine verrückte Siedlung am Meer unterhalb von Mar del Plata. Wie, um alles in der Welt hängt das Hippiedorf mit den Lebensreformlern aus Eden zusammen? Da war ein Rheinländer Silvio Gesell, in den 1860ern geboren, der hat sich sehr für wirtschaftliche Zusammenhänge, Vegetarismus und die Lebensreformbewegung interessiert. Hat eine zeitlang auf einem Bauernhof in der Schweiz in einer Art Landkommune gelebt, ist nach Argentinien ausgewandert, zurückgekommen, war Finanzminister in der Münchner Räterepublik, nach seiner Verhaftung durfte er nicht mehr in die Schweiz und zu daraufhin in die Genossenschaftliche Siedlung Eden, wo er 1930 starb. Sein Sohn Carlos, der schon in der Landkommune in der Schweiz aufgewachsen, wollte im Sinne seine Vaters in Argentinien eine Lebensreform Siedlung gründen. Scheiterte mehrfach, doch dann mit der Hippiebewegung der 60er wurde Villa Gesell plötzlich "in" und Villa Gesell in den Dünen wurde zum Geheimtipp. Und jetzt kommen wir ins Spiel. Freunde von uns in Buenos Aires, noch immer sehr "hippiesk"- der Vater hatte im Radio ein Nachtprogramm, in dem es um Parapsychologie, Ufologie, Schamanen... ging, der Sohn war mit Till in der Klasse. Und so kam es, dass unser erster Urlaub in Osterferien ins Häuschen unserer Freunde nach Villa Gesell ging. Und gestern, 23 Jahre später landen wir in "Eden" - wie sich manchmal die Wege kreuzen.

Ok, zurück in "Gottes Streusandbüchse", Friederike hat es schon beschrieben, die Strecke, vor allem die Ausschilderung war bisweilen unter aller Kanone, aber dann auch wieder sehr reizvoll, reizvoll auch im Sinne von Schnaken um "die Beene".
Eigentlich hatte ich akribisch geplant und da wäre auch Herrn von Bülows (Loriots) Stammsitz auf dem Weg gelegen. Aber als wir endlich von der bescheuerten Bundestraße runter waren, habe ich jeden "Stammsitz" toll gefunden. 
Der hier ist 


Schloss Sommerswalde, Stammsitz von Graf Keine Ahnung.

Dann endlich Neuruppin! D.h. eigentlich waren wir ganz gut in der Zeit, gegen 15:00 komme ich an unserer Unterkunft Travel Art an, Friederike ist erst einmal auf Suche nach einer Bademöglichkeit losgezogen. 
Mal was Neues. Sehr schönes Appartement gleich neben der Kirche. Nicht ganz leicht zu finden, einfach ein Hoftor. Ach richtig, ich habe ja eine SMS bekommen, mit einem Code für das obere Kästchen, da drinnen seien die Schlüssel. Code eingegeben, - Kästchen leer.
Blöd! Ich klopfe an die Tür. Der Gärtner öffnet. "Was, keine Schlüssel? Rufen Sie die Chefin an! Ok, keine Verbindung. Dann versucht es der nette Gärtner auf seinem Gerät. "Die Chefin kommt in 15 Minuten". Klappt Alles wunderbar. Die Chefin kommt, bringt den Schlüssel und sagt: Wenn noch was ist, fragen Sie meinen Mann!"

Stadtrundgang, Neuruppin ist wirklich ein sehr schönes Städtchen.


Und in der Kirche tatsächlich das erste Konzert seit ewigen Zeiten. Seit heute Morgen um 10:00 Uhr findet ein "Orgelmarathon" statt:


Heute Nachmittag spielte der "Radelnde Kantor". Über den kam schon ein Bericht im Fernsehen. Er reist mit dem Rad von Kirche zu Kirche - am liebsten auf dem "Bach-Radweg" und gibt Konzerte.
Friederike ist noch einmal rüber gegangen - ich werde wohl eher gleich Österreich : Italien anschauen.
Fontanes Geburtshaus lag auch auf unserem Rundweg


Und wofür ist Neuruppin noch bekannt? Natürlich die Neuruppiner Bilderbogen!


Theodor Fontane schreibt dazu:

„was iſt der Ruhm der Times gegen die civiliſatoriſche Aufgabe des „Ruppiner Bilderbogens“? (…) Sie ſind der dünne Faden, durch den weite Strecken unſrer eignen Heimath, lithauiſche Dörfer und maſuriſche Hütten und Weiler mit der Welt da draußen zuſammenhängen.“

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Band 1: Die Grafſchaft Ruppin.[3]  
(Wikipedia)
Wie man oben sehen kann, ist der Bildungsgehalt der einzelnen Bögen  seehr unterschiedlich. Grundsätzlich auf billigem Papier gedruckt, erschwinglich für weite Kreise waren die Neuruppiner Bilderbogen sehr beliebt und fanden im 19.Jahrhundert europaweit Nachahmer.


So jetzt fängt Fußball an. Gehabt´s Euch wohl. Wir sehen uns Morgen.        







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