Dienstag, 22. Juni 2021

10. Tag: Bis Magdeburg

die Karte

Hier kommt noch das Foto zum Mittsommer in Bernberg:


Wieder ein herrlicher Radeltag, bei mäßigen Temperaturen aber heftigem Wind, der häufig von vorne kam.  Bei 16 Grad sind wir gestartet, die Wolken waren recht tief und grau, aber wir hatten Glück, kein Regen kam, und im Tagesverlauf klarte es auf. 
Wie jeden Morgen gab's die Diskussion um den Streckenverlauf und wie immer heißt es Radweg oder Albert, (das ist unser Fahrradnavi). 
Albert berechnet morgens immer ca. 50 km und "updatet" uns dann im Laufe des Tages auf ca. 60 km und zwar immer dann, wenn wir von seiner Route abweichen. Und Albert führt uns gerne auch mal an einer großen Straße entlang und kürzt damit umständliche Schleifen ab.
Der ausgeschilderte Radweg hat immer mehr km als Albert, denn er macht Schleifen und führt an lokalen Sehenswürdigkeiten vorbei (z.B. einem alten Friedhof).  Heute ist der Unterschied besonders groß: ca. 70 km sind angekündigt, der Weg führt an der Saale entlang bis zur Mündung in die Elbe und dann auf dem Elbradweg weiter. 
Also Kompromiss: wir fahren erstmal los, entschieden werden muss in Calbe. 
Der Radweg ist anfangs hübsch in den Flussauen, dann auf einer kleinen, sehr ruhigen Landstraße. Es ist absolut nichts los, kein anderer Radfahrer, keine Landwirte, gar nichts. Die Gegend ist absolut verlassen, Dörfer ausgestorben, mit alten Backsteinhallen, Fenster eingeschlagen, große stillgelegte Landwirtschaftsgebäude. Alte LPG Wege, die aber wirklich gut für Radfahrer hergerichtet sind.




Aber es gibt aber  auch große Erdbeerfelder und schon die ersten Kirschen: 


In Calbe dann die große Diskussion, wie fahren wir weiter und wieder ist es ein freundlicher älterer Mann, der das Fenster öffnet und uns erklärt, wie wir am besten weiterkommen und wo es besonders schön ist. Er war ein passionierter Radfahrer, aber jetzt hat er ein neues Projekt: er renoviert dieses Haus für seine Enkelin.


Vielen Dank nochmal! Und viel Erfolg beim Renovieren, da ist noch ganz schön was zu tun, wir haben reingeschaut.

Leider hat uns ein lokaler Radweg doch verwirrt: der Börde-Hamster ist wahrscheinlich ein Rundweg. Und für eine Radtour gibt es keine schlimmere Sackgasse als ein Rundweg!


Den besten Platz fürs Mittagessen haben wir in den Elbauen gefunden:

So, nun ist der Manne dran:

Ok, 
Magdeburg habe ich schon auf der Elberadtour besucht. Aber dass, ich auch noch einmal das gleiche Hotel gebucht habe, das war mir nicht bewusst gewesen. Erst beim Blick aus dem Fenster, auf die Silos der Mühle "Bördengold" kam die Erinnerung wieder.


Die Magdeburger Börde, die Kornkammer des "Ostens", die haben wir heute wirklich in ihrer Schönheit und mit ihren Schattenseiten kennengelernt. 

Kurz vor Schönebeck kommen wir an einer wirklichen Überraschung vorbei: "Salzelmen",  Bad Salzelmen - noch nie gehört. Dabei war Salzelmen eine der wichtigsten Salinen. Im Königreich Preußen hatte das Gradierwerk eine Länge von über einem Kilometer. Heute sind davon noch über 300m übrig.


Heute dient das Gradierwerk natürlich nicht mehr der Salzgewinnung, sondern es ist Teil des Bäderbetriebs. Aber beeindruckend sind diese Wände aus Schwarzdornreis immer noch, die früher dazu gedient haben, den Salzgehalt der Sole durch Verdunstung zu erhöhen, außerdem blieben Verunreinigungen im Reisig hängen, so dass die Qualität des Salzes erhöht wurde. 



 Bad Salzelmen hat mich wirklich sehr beeindruckt. 
Bei Schönebeck haben wir dann die Elbseite gewechselt und sind zügig durch die Elbauen geradelt.

14:00 waren wir im Hotel, genügend Zeit zur Stadtrundfahrt. Die romanischen Kirchen entlang der elbe sind schon etwas Besonderes. Und heute hatten wir Glück, sowohl die Petrikirche und die Magdalenenkapelle als auch der Dom waren geöffnet. 

Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch in Magdeburg, ist in den letzten Jahren die Verbindung von Antisemitismus und Kirche in Magdeburg sehr gut herausgearbeitet worden. 
Seien es die sogenannten "Hostienschändungen", als auch Hetzpredigten, die letztendlich zur Vertreibung der Juden aus Magdeburg geführt hat.
Im Dom, wie auch in Bamberg auch eine Gegenüberstellung von Synagoge und Ekklesia - nur viel gehässiger als dort. Ekklesia die Gekrönte, Synagoge, mit debilen Gesichtsausdruck, der die Gesetzestafeln aus der Hand fallen.


In Verlängerung der Ekklesia stehen "natürlich" die klugen Jungfrauen, - für mich haben die einen eher "verschlagenen" als einen klugen Gesichtsausdruck.


und die "törichten" Jungfrauen stehen an der Seite der Synagoge und heulen sich die Augen aus, dass sie den "Erlöser" verpasst haben. - Das Bildprogramm der Kirche hat es wirklich in sich.




Die "Judensau", die auch noch im Dom ist, befindet sich in einer Seitenkapelle, die nur "geführt" zugänglich ist - gut so, besser als solche Zeitdokumente einfach verschwinden zu lassen, wie es andernorts geschehen ist.
Ganz in der Nähe steht Barlachs Mahnmal gegen den Krieg von Ernst Barlach, das gleich nach der "Machtergreifung" Magdeburger Christen aus der Kirche entfernen ließen!
Liegt es an mir, oder kann es sein, das Barlachs Bildsprache ein wenig "Staub" angesetzt hat? Die 3 Behelmten sind für mich weder kriegsmüde noch schuldbewusst. Der Herr ohne Helm, mit Seitenscheitel,  der das Kreuz vor sich stehen hat, 

wirkt auf mich ein wenig hilflos.

Eine wirkliche Entdeckung war für mich dieser Herr



Ein schwarzer Ritter? Die Gesichtszüge bedienen fast Stereotype, aber dann auch wieder nicht, denn der Rittersmann ist mit allen Insignien eines Adligen ausgestattet.

wikimedia.org/wiki/

Das kann eigentlich nur der Hl. Mauritius sein, aber eine so frühe Darstellung eines Dunkelhäutigen Heiligen (1.Hälfte 13.Jahrhundert) ist schon sehr ungewöhnlich. Ob es den Hl. Mauritius wirklich gegeben hat, ist zwar nicht so sicher, aber dass er auch Schweizer gerettet haben soll - und deshalb St.Moritz im zu Ehren benannt wurde - das gehört schon zu den wundersamsten Wundergeschichten der Heiligenlegenden.

Magdeburg hat auch noch ein schönes Hundertwasserquartier


Seine Entstehungsgeschichte würde mich sehr interessieren!!

Zum Abschluss eines sehr interessanten Nachmittags hängen wir noch in den Elbauen ab.



Liebe Hallenser, wenn jemand "helle Strände" hat, dann sind das wohl die Magdeburger. 


Aber nach der Etappe ist vor der Etappe! Wir sind gespannt auf Morgen, dann geht es an die Havel.
Bleibt uns gewogen - und schaut wieder vorbei!


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