Mittwoch, 14. Juli 2021

32.Tag: Von Beverungen nach Hann. Münden

die Karte


Es war abzusehen. Bei der Großwetterlage musste es mich irgendwann erwischen. Und heute erwischte es mich so richtig. Mit leichtem Nieselregen starte ich in den Tag, der recht melodisch auf Milchkannen klingt.


 Auf den ersten 10 km bis Bad Karlshafen ist der Regen harmlos. (Beverungen, da hatte die Dame an der Rezension gestern recht, hat schönes Fachwerk. Schön auch bei Regen. Aber dafür hole ich die Kamera nicht aus dem Trockenen.

Bad Karlshafen ist vermutlich auch schön. Auf jeden Fall sehr touristisch. 

Die Solewand gehört zum Thermalbad. Da dampft es wunderbar heraus. Nein!! Auf keinen Fall legst du dich jetzt in die Brühe, dann kommst du nie bis Hann .Münden. 
Hinter Bad Karlshafen das letzte Mal mit einer Fähre über die Weser.


Wie man gut erkennen kann, noch nieselt es. Etwas mehr als Niesel, Starkniesel würde ich sagen.


Dann ist sie vor mir! Die "nasse Wand"! Da musst du durch. "Es führt kein andrer Weg... nach Hann. Münden". Ich bin gerüstet, habe mich schon im Hotel in die volle Montur geworfen. Galoschen, Regenhose, Softshell und Regencape! 
Es wird heftig. Aber wenigstens zu kalt für Gewitter oder Hagel! Also kein Grund zum Meckern.
Als ich durch Gieselwerder fahre, es ist kurz nach 11:00, da sehe ich einen "Landladen" der alles hat. Auch Bananen. Der Tag ist gerettet. Gieselwerder ist ein schöner Ort.
Eine Stunde später, als der "ergiebige Landregen" in Starkregen übergeht, hält mein Glück an. Die netten Leute von Gottstreu haben ein paar tolle Hütten an den Weg gestellt.


Hier kann man gut Mittagspause machen und abwarten, was noch so von oben herunterkommt.
Und ich kann mir so meine Gedanken machen, warum die Orte hier in der Gegend wohl so eigenartige Namen haben. "Gewissensruh", "Gottestreu"? War da nicht ein Schild gewesen. "Waldensermuseum" links ab? 
Jetzt im Hotel schlage ich nach. Tatsächlich hat der Landgraf Carl von Hessen, nach Aufhebung der Glaubensfreiheit in Frankreich Hugenotten und Waldenser nach Hessen eingeladen. Die Waldenser, die es in abgeschiedene Gegenden zog, haben sich dann hier am Oberlauf der Weser niedergelassen. 
Nach 45 min habe ich den Eindruck der Regen lasse nach. Immerhin kann ich jetzt hinter dem Maisfeld ein Haus erkennen. Wir sind zurück bei "ergiebigem Land" - dafür nimmt der Gegenwind deutlich zu und die Steigungen auch.
Trotz aller Widrigkeiten bin ich gegen 15.00 Uhr in meiner Unterkunft. Einen größeren Kontrast zu meinem gediegenen 3 Sterne Hotel über der Weser kann man sich kaum denken. Der Aegidiushof, glaubt wahrscheinlich er seine eine "Pilgerherberge", zumindest gibt es das Frühstück Morgen in der Kirche gegenüber.


Mein Zimmer ist die Dachkammer - das Fenster ganz oben links. Und Internetz brauchen Pilger auch nicht. "Sie sollten hier oben noch "mein hotspot" bekommen. Bekomme ich aber nicht. Außerdem ist das ein öffentliches Netz. 
Dafür halten sie sich hier an die frommen Brüder von Corvey. Pilgerstandard, aber zu Preisen eines  Sterne Hotels. Pilger willkommen - aber nur wenn du ordentlich was hinblätterst. 
Immerhin bekomme ich einen Schirm geliehen, so dass ich, nunin trocknen Kleidern, auf meiner Stadterkundung, nicht gleich wieder nass werde.
Hann. Münden ist ein ansehnliches Städtchen. Hat ordentlich Knete aus seiner Lage gemacht, indem  alle Ware, die von Werra oder Fulda oder Weser hier vorbei kam, erst einmal abgeladen und hier auf dem Markt angeboten werden musste. Vermutlich gab es da schon Möglichkeiten... aber da musste man eben wissen, wer wieviel zu bekommen hatte.
Der Fährmann von Bad Karlshafen sagte, dass früher Lastkähne bis Kassel gefahren sind.


Das ist jetzt schon die Fulda! Seht Ihr den Radweg auf der linken Seite? Viel Regen darf jetzt nicht mehr dazu kommen, sonst ist der nicht mehr passierbar. Es war schon heute an manchen Stellen nur mit Schmackes und die Beine hoch vom Pedal möglich. 


Das ist die Werra. Und hier ist die Weser


Und das ist das Rathaus.

Das ist schon eine Hausnummer für ein Städtchen wie dieses. 

In meiner Dachkammer ist es warm und ein wenig stickig, das Fenster ist recht klein. Da überkommt einen eine leichte Müdigkeit nach einem solchen Tag.

"Also hier treibt Ihr Euch rum? Der Arme Poet in seiner Dachkammer! Und ich muss hierher kommen, ich hasse diesen Kerl!"
"Wen meint Ihr, Herr Baron?"
"Wen wohl, habt Ihr sein Haus nicht gesehen?"
"Ah, ich verstehe, mein Ihr den Herr Dr. Eisenbart?


Sein Haus ist gleich hier um die Ecke."


"Was habt Ihr gegen ihn?" "Was ich gegen Ihn habe? Ein Lügner, Aufschneider, ein Beutelschneider war er!"
"Unter seiner Statue steht: "Er war besser als sein Ruf!"
"Natürlich! Die Hann. Mündener sind auch noch stolz auf ihn!"
"Aber vielleicht war er nur seiner Zeit voraus, so wie Ihr und Euer Flug zum Mond!"
"Versucht nicht Euch einzuschmeicheln - habt Ihr eine neue Geschichte?"
"N a ja, eigentlich schon, aber dann kam der Regen dazwischen, und ich konnte heute auf meinem Ritt durch die "nasse Wand" nicht auch noch Geschichten erfinden, das müsst Ihr doch einsehen
Können wir uns nicht Morgen, in Kassel noch einmal treffen?
"In Kassel! Wisst Ihr was Ihr da verlangt! - Ab nach Kassel! Das habe ich noch erlebt, dass dieser Landgraf, dieser Friedrich von Hessen-Kassel, dieser Unhold seine Landeskinder an die Engländer verkauft hat, damit sie gegen die Aufständischen in Amerika kämpfen sollten.
Da soll ich Euch treffen?"
"Wäre nett, und wenn es Morgen nicht all zu sehr regnet, werde ich Euch eine Schöne L.. pardon, Geschichte erzählen."
"Wir werden sehen! Schlaft nicht ein! Sonst wird Euer - wie sagt Ihr immer Block? Nie fertig!














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