die Karte
Heute war ein sehr langer und sehr schöner Radltag. Wir sind 77 km gefahren, unter dunklen Wolken, manchmal leichtem Nieselregen , wenig Wind und bei einem ziemlich perfekten Streckenprofil, also flach.
So sieht ein perfekter Morgen aus: Wasser, Radweg und niemand unterwegs. Da fliegt mein Rad nur so dahin. Man kann ein bisschen Rennen fahren mit irgendeinem Schlepperkahn, und es ist toll, man ist einfach schneller, sofern der Radweg nicht einen unerwarteten Schlenker macht. Aber dann fängt man halt nochmal mit überholen an. Und irgendwann winkt man sich zu, weil man doch schon einiges miteinander erlebt hat.
Und man kann die Entenfamilienclans, die frühmorgens noch unschlüssig auf dem Weg stehen, ins Wasser jagen. Auch wenn sie noch nicht wollten, jetzt sind sie drin und nass und sie beschweren sich.
So vergeht ein Teil des Vormittags ganz gemütlich.
Nach einer Schleuse geht der Radweg nicht mehr ganz so schön weiter und plötzlich verschwindet er im Gebüsch. Wir haben ziemlich Mühe da wieder rauszufinden, fahren ein Stück zurück, nehmen einen kleinen Weg der vom Kanal weg in den Wald führt,- es ist der Luther-Pilgerweg, den wir schon öfters gesehen haben,- werden von Schnaken fast aufgefressen und treffen zum Glück auf eine paar Häuser und einen Ortskundigen. "Da müsst ihr die stark befahrene Straße durch den Wald zurückfahren und über die Brücke," berlinert er. Die haben wir bei hochfahren übersehen und hätten sie auch jetzt fast nicht erkannt
Die stark befahrene Straße bei Wurlitz:

Wir kamen schnell voran und waren um die Mittagszeit schon in Brandenburg. Auch hier wieder Großbaustelle, Umleitung, und damit verlieren wir unseren Radweg wieder aus den Augen. Ein junger Radfahrer schlängelt sich mit uns durch die Baustelle und wir schauen uns die Stadt ein bisschen an.
Überall Möpse:

Brandenburg ist nämlich die Geburtsstadt von Loriot und in der St. Gotthartkirche ist ihm eine nette kleine Ausstellung gewidmet.
Am Trebelsee hab ich noch kurz gebadet, er ist ganz flach und das Seegras hat die ganze Zeit am
Bauch gekitzelt.

Jetzt also ich:
Was gibt es noch zu erzählen? Die letzten beiden Tage, entlang der Havel habe ich mich immer wieder gefragt, wie der Transit auf dem Wasser wohl zu DDR Zeiten funktioniert hat. Es gab Binnenschifffahrt, auch in den Westen und es gab Warenverkehr. Wenn man bedenkt, wie überwacht der Transit auf den Autobahnen war, dann kann man sich gar nicht vorstellen, wie man die Schiffe kontrollieren wollte.
In Brandenburg und danach haben wir uns dann auch auf Fontanes Spuren - d.h. auf "seinem Radweg" bewegt.
Das Schloss Plaue bei Brandenburg haben wir zwar nicht gesehen, aber der Schloßpark war schön. Am Ausblick auf die Havel, umrahmt von Bär und Ziegenbock
trafen sich die Herrschaften zum Tontaubenschießen. Und der Wanderer Fontane?
Der war in Plaue das erste Mal 1874 und hat auch danach seinen Dichterfreund Wiesike immer wieder mal besucht. An Fontane werden wir auch in den nächsten Tagen nicht vorbeikommen. Ob wir es Morgen allerdings schaffen werden Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland zu besuchen, ist eher fraglich.
Vom ersten Teil der abenteuerlichen Fahrt durch Brandenburg hat Friederike ja schon berichtet. Die Ausfahrt war nicht minder kompliziert, ohne die präzise Beschreibung einer netten Dame hätten wir den Havelradweg nach Potsdam wohl nicht wirklich gefunden.
Liebe Brandenburger, gestern in Sachsen-Anhalt, gab es Schilder und Karten - aber keinen Radweg. Ihr habt einen superschönen Radweghighway entlang der Havel gebaut und annähernd 10 km aus Brandenburg raus, - nüscht! Wie der Baliner sacht! Nullkommanünscht an Schildern. Ein superhässliches kleines Wegchen an der B1 (vierspurig) entlang, dann wird er irgendwann mal ordentlich, aber am Einstieg in den eigentlichen Radweg - wieder Null Schilder.
Da müsst Ihr noch dran aabeeten, wa!
Bei Ketzin verlassen wir den Radweg und setzen mit der Fähre über.
So eine kleine Fähre zu Stoßzeiten hat hohen Unterhaltungswert. Der Fährmann lädt auf, was geht. Wenn Ihr genau hinschaut, dann könnt Ihr auf der Fähre einen Unimog erkennen, mit Anhänger, daneben gerade so eben 3 PKW. Bei Ankunft wird´s stressig. Vor allem für den Fahrer des superschnieken Elektro-BMWs. Der Unimogfahrer zieht noch ein bisschen nach rechts, - so etwa 50 cm, dann soll der BMW fahren durch die Lücke und runter. Einige Minuten lang passiert nichts, außer dass der BMW-Fahrer heftigst transpiriert. Irgendwann wird es einem anderen SUV Fahrer auf unserer Seite zu blöd, er reißt seine Tür auf, stößt unverständliche Laute aus (für mich) und dirigiert den verängstigten E-BMWler raus. Waren doch wirklich mündestens 5cm Platz auf jeder Seite.
Radfahren kann so schön sein.
Warum wir heute deutlich über 70km lagen, hat damit zu tun, dass ich uns mal was Gutes gönnen wollte. Dass der Gutshof Havelland noch einmal 7 km außerhalb von Ketzin liegt, ist mir bei der Planung nicht aufgefallen.
Hat sich aber gelohnt. Schön gelegen, Mitten in den Feldern, nicht weit von Knoblauch, auf dem
Fontaneradweg, feines Essen, gediegenes Ambiente. Hat sich gelohnt.
Aber warum erwähnt er "Knoblauch", wird die aufmerksame Leserin fragen.
Die Geschichte muss ich noch los werden. Knoblauch war einmal, gibt´s nicht mehr.
Ein Ort, schon im 11.Jahrhundert erwähnt, hat eine grauslige "Hostienraub"- Judenvertreibungsgeschichte, aber warum es Knoblauch nicht mehr gibt ist der Hammer. In den 60er Jahren wurde in der DDR nach Erdgas gebohrt und ist fündig geworden. Da man die Infrastruktur noch nicht hatte, wurden ein Konzept entwickelt, das Gas in unterirdischen Lagern zu sammeln. Hat ein paar Jahre funktioniert. Dann wurde das Lager undicht und in Knoblauch kam Kohlenmonoxid raus, dann kam es zu einem Gasausbruch, der nur deshalb nicht zu einer Katastrophe führte, weil es die Knoblaucher es schafften alles offene Feuer sofort zu löschen. Das war aber dann das Ende von Knoblauch und der DDR Gasbevorratung bei Ketzin.
Die Einwohner wurden nach Falkenrehde, wo ich gerade auf der Terrasse sitze und den Blog schreibe, umgesiedelt und der Ort wurde platt gemacht.
Ein makabres Nachspiel hat die Geschichte noch. Nach der Wende, und zu Zeiten von Klimawandel kamen einige Schlaumeier auf die Idee, man könne doch die ehemaligen Gaslager zum Wegdrücken von CO2 nutzen. Da sage noch einer, wir seien eine lernfähige Spezies!
Zum Schluss noch die Auflösung des Bilderrätsels.
Tina B aus G hat eigentlich die perfekte Antwort gefunden und hat die Banane hochverdient:
"...Das ist eine Fräse, die Pässe freischaufelt, wenn es ordentlich schneit...Die megariesigen Nieten und das komplette Design sehen irgendwie russisch aus (bestimmt noch zu Sowjetzeiten..). Da geht NIX kaputt!"
Besser kann man das nicht ausdrücken - wörtlich hat der stolze Straßenmeister gesagt: "Die geht einfach nicht kaputt!"
Aber J aus A hat auch die richtige Antwort gefunden, er bekommt eine "Geleebanane"- auch lecker, oder?
Jetzt bleibt nur die Frage, wozu brauchen die Parayer im Havelland eine Schneeräummaschine mit der man den St.Gotthardpass problemlos frei bekommt.
Das wär es für heute!
Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen!
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