Freitag, 9. Juli 2021

27. Tag: Von Bremen nach Dörverden

die Karte

Nach 3 Tagen in Ballungsräumen, laut und hektisch, heute nach wenigen Kilometern bin ich auf dem Land, aber sowas von ländlich, keine Menschen, kaum Dörfer aber super Radwege.

Aber von Anfang an.

Vom Hotel ans Weserufer und schon beginnt das Radvergnügen. Es ist kühl, aber noch regnet es nicht.


Was macht der denn da! Den Harry hätte ich jetzt eher in Hamburg erwartet. Aber Heine war wohl auch mal in Bremen, zumindest fand er den Bremer Ratskeller sehr angenehm.


An der Weser wird gebadet, Friederike! Heute Morgen eher nicht, es ist doch recht frisch! 
Dann das erste - und fast das einzige Highlight des Tages


Das Weserstadion. Das fehlt noch in unserer "Sammlung".

Der Weserradweg ist super ausgeschildert, - auf den ersten 3 km, dann ist wieder Schluss. Und ich fahre auf die "falsche" Seite. Aber auch hier sind die Radwege geteert und immer auf oder neben dem Damm.
In Bremerhaven und Bremen hatte ich den Eindruck hier schläft man schlecht, der Bremer und die Bremerin fahren eher missmutig Richtung Arbeit, Mundwinkel nach unten grimmiger Blick und keine Reaktion auf meinen Gruß. 
Aber schon wenige Kilometer hinter der Stadt, sind die Leute wieder entspannter, jedenfalls die Hand voll, die mir heute begegnete.  Hier gibt es noch richtige Moore und dementsprechend wenig Dörfer. Ich wäre ja gerne über Achim gefahren, aber nachdem ich einmal auf der "falschen Seite " gelandet bin, gibt es kein Zurück mehr. Auch bei Verden ist die erste Brücke gesperrt.
Mit dem Wind im Rücken geht es flott voran. 
Ein herrlich ereignisloser Morgen. 
Fotos von dieser Marsch- und Moorlandschaft sind belanglos. Ein paar Mal habe ich versucht Hasen zu fotografieren, aber die sind viel zu weit weg. Auch die Fasanen halten einfach nicht still.
Bei den wenigen Dörfern, bzw. Weilern fällt mir etwas auf. Offensichtlich bin ich im Kernland der 
Schützenfeste. Hinter Hönisch(der Ort heißt wirklich so, Hönisch kommt noch) hat insgesamt 5 Häuser, an dreien hängen bis zu 5 Schützenscheiben, die der Sieger (des Scheibenschießens) als Schützenkönig offensichtlich mitnehmen kann und an seinem Haus anbringt.


Hier wohnten Generationen von Schützenkönigen. Wäre interessant zu wissen, wie groß die 
Schützenfeste sind. Ob man zum großen nach Achim fährt, oder ob jeder Ort sein eigenes abhält. Ich habe keine Ahnung. ich weiß nur, dass diese Schützenbruderschaften eine sehr wechselhafte Geschichte haben, - und die ist nicht immer ruhmreich gewesen.
In Hönisch bin ich baff. Auf dem Foto kann man es leider nicht erkennen.


Auf dreien der 6 Schützenscheiben steht doch tatsächlich "Damenkönig"! 
Puh, das überfordert mich jetzt. Ich fange an zu grübeln. Ist das nun Obermachismo oder die geniale Gendergerechtigkeit? Wenn der König der Größte ist, dann wäre die Königin höchstens zweite Klasse, dann ist der(?) Damenkönig natürlich sehr fortschrittlich; es könnte natürlich auch ein König sein, der gerne Damenkleider trägt, dann wären die Schützen auch noch sehr tolerant. Es lebe die Regenbogenvielfalt!! Es könnte aber auch sein, dass die "Damenkönig" .... 
nein, da bin ich überfordert.
 Es lebe "die Damenkönig"!
Sonst ist eigentlich nichts weiter passiert. Mal gab es eine Mühlenruine


In Dörverden gibt es eine restaurierte


Und ich übernachte in der Pfeffermühle, einem schnuckeligen Landgasthof mit Hotel. Sonst gibt es in Dörverden (ich muss Morgen beim Frühstück fragen, wie man den Ort in dem ich heute nächtigen werde eigentlich ausspricht)  nichts weiter zu sehen. Die Weser, und einen Ortsteil weiter das Wolf-Informationszentrum. Durch Barme komme ich Morgen. Aber ob das Zentrum am Samstag vor 10:00 Uhr auf hat, wage ich zu bezweifeln. Schaumamal!

Der Empfang von vom Wettersender "Hochwiebreit" von der Hallig "Warnieroog" wird immer schlechter. Ich bin inzwischen eben schon zu weit im Inland. Mit Mühe habe ich noch eine Nachricht empfangen. 
Die Meldung ist speziell für Inna und Aralc in G.:
"Liebe Aralc und Inna, wusstet Ihr eigentlich, dass ab Windstärke 15 sogar Namen rückwärts laufen müssen??? Grüße auch an Alrac, Ocin und Ydderf! - Euer Wetterfrosch Ennam.












 

Donnerstag, 8. Juli 2021

26. Von Bremerhaven nach Bremen




Im Hotel Atlantic herrscht ein striktes Frühstücksreglement. Für mich war noch das Zeitfenster 7:30 bis 8:15 frei. D.h. ich bin heute früh auf der Bahn. Zeit für eine kleine Runde durch Bremerhaven. Ich merke schnell, dass man für Bremerhaven eigentlich mehr Zeit braucht. Schön ist es hauptsächlich unten am Hafen. 

Ein bisschen Dubai, ein bisschen Moby Dick, der in Wirklichkeit das Klimahaus 8°Ost ist, in dem das Thema Klima thematisiert wird. Bestimmt spannend - aber noch zu.

Das "Deutsche Auswandererhaus" wird vollmundig beworben als das "Größte Erlebnismuseum des Kontinents zum Thema Aus- und Einwanderung" beworben. Hört mal, Bremerhavener- und innen, geht es auch eine Nummer kleiner?


 War natürlich auch noch zu. Und außerdem habe ich ja heute noch Bremen auf dem Plan. 

Jede Menge historische Schiffe in dem Hafenbecken des Deutschen Schifffahrtsmuseums. Unter anderem auch das U-Boot "Wilhelm Bauer"


in dem "die Technik dieses einzig erhaltenen U-Bootes Typ... gezeigt wird - und vor den Grausamkeiten eines solchen Krieges gewarnt wird" - scheinheiliger geht es wirklich nicht. Liebe Bikeliner, wo immer ihr diesen Käse abgeschrieben habt, - für mich seit ihr langsam gestorben.

Vor allem, weil ich mit euren Karten nicht wirklich planen kann. Fahre ich mit der Fähre auf die linke Seite, dann wären es heute über 80 km- laut bikeline. Fahre ich die Alternativroute auf der rechten Seite sind es nur 64 km. Die ist aber nirgendwo ausgeschildert und auch Albert kann den Einstieg nicht finden. Stattdessen gibt es einen Luxusradweg schnurgerade bis Bremen - allerdings mehr oder weniger an der Bundesstraße. 

Ich versuche mehrfach, zum Dammweg zu kommen, kreuze die schöne Lune


Mache, mit Hilfe eines halben Dutzend Wiemsdorfern einen Kringel von ca 3 km, um dann mit Albert quer durch den Wald zu radeln. Mit dem Ergebnis, dass ich irgendwann wieder auf der Radwegrennstrecke bin. Auch recht! Dann habe ich schon mehr Zeit für Bremen.


Zumal, - das seht Ihr natürlich nicht, stehen die Windräder den ganzen Tag komplett still. Kein Gegenwind!! Auch mal wieder schön.
Die 66 km sind schnell runtergeradelt, es gibt wirklich nichts zu sehen. Hätte nie gedacht, des es in Norddeutschland so viel Wald gibt. Außerdem waren von der Gesamtstrecke 12 km hässliche Stadtausfahrt aus Bremerhaven und 15 km oberhässliche Stadteinfahrt in Bremen.


14:00 laufe ich im Hotel ein. Raus aus den Radlerklamotten und rein in die Altstadt. 
Ich bin wirklich überrascht, wie kompakt die Altstadt von Bremen ist. Soll heißen, drum herum wurde das meiste im 2.Weltkrieg zerstört.

Aber natürlich, das Rathaus, samt Roland ist die erste Anlaufstelle




Schließlich ist er inzwischen "Weltkulturerbe". Eine der größten Geschichtsfälschungen aller Zeiten wurde zum Inbegriff der Wehrhaften Stadt - die Hintergründe habe ich schon in Halle erzählt, wenn ich mich nicht irre.
Highlight Nr. 2 - klar die Stadtmusikanten.


Seit 1953 steht die Plastik von Gerhard Marcks am Rathaus und ist heute fast so wichtig wie der Roland. 
St.Petri ist beeindruckend- in seiner Breite an Stilen. Natürlich als lutherisches Gotteshaus ist die Kanzel am wichtigsten. Aber zum Glück durften auch noch ein paar Heilige stehen bleiben. 
Einer hat mich ganz besonders fasziniert


Wanderstab, Schlapphut? Das müsste eigentlich der Hl Jakob, St. Jago, der "Matamoros" - der "Mohrentöter" sein, der alte Haudegen. Aber warum hebt er so kokett das Gewand und zeigt Bein?
Höchstunwahrscheinlich, dass er darauf hinweisen will, dass man vom Pilgern schöne Beine bekommt! 
Ich vermute ja, dass er zeigen will, dass sein Bein mit Gottes Hilfe wieder in Ordnung ist. Ich kenne aber keine derartige Legende. Vielleicht ist ja unter der geneigten Leserschaft jemand, der die gesammelten Heiligenlegenden auf dem Nachttisch liegen hat! Würde mich wirklich interessieren.

Das absolute Highlight des heutigen Tages war jedoch die "Böttcherstraße". Hatte ich, ehrlich gesagt, nicht auf dem Schirm. 



Wo fange ich an. Die Geschichte hinter diesem reichlich bizarren Gesamtkunstwerkes ist wirklich bemerkenswert - und teilweise erschreckend.


Angefangen hat es mit diesem Herrn, Ludwig Roselius - kennt Ihr nicht! Womit er reich geworden ist aber schon. Er hat den koffeinfreien Kaffee erfunden - und 1906 die Firma Kaffee HAG gegründet. Was macht jemand der richtig Knee hat und damit noch nicht in den Weltraum fliegen kann. Er wird zum Mäzen.
Er kauft 1931 die völlig heruntergekommene Böttcherstraße komplett auf um sie zu einer Art Touristenattraktion für das "wiedererstarkte" Deutschland zu machen. 

So und jetzt kommt Hoetger und Moderson-Becker und Worpswede ins Spiel.

Die beiden treffen sich 1900 in Paris. Und Hoetger unterstützt und ermutigt Moderson. Er, damals schon ein anerkannter Bildhauer und wird sogar von Rodin gelobt, der diesen Torso einer jungen Frau genial findet.


Für mich kommen, ehrlich gesagt, die appen Beine eher seltsam rüber. Aber das Gesicht ist wirklich grandios. 
Die Plastik steht in der Ausstellung 

AVANTGARDE
Bernhard Hoetger und Paula Modersohn-Becker in Paris

im Moderson-Becker-Haus in der Böttcherstraße. - Wo ich heute sehr viel Neues gelernt habe.

Hoetger kommt also über Moderson-Becker, die vor Becker nach Paris abgehauen ist mit den Worpswedern in Kontakt. Und deshalb hat die Böttcherstraße und die schräge Architektur in Worpswede die gleiche Handschrift.
Als er Roselius kennenlernt hat er schon diese wilde Mischung aus Expressionismus, Art Deco, Jugendstil, Nordischtümelnder Backsteinarchitektur, Historismus etc. entwickelt. Und Roselius ist begeistert. Hoetger provoziert - und gleichzeitig ist er durchaus ein Prophet der "Neuen Zeit". Er provoziert als er an das Moderson-Becker Haus schreibt:


Dieses ist das
Paula Becker-Moderson Haus
aus alter Häuser fall
und Umbau errichtet von
Bernhard Hoetgers Hand
zum Zeichen edler 
Fraue zeugend Werk 
das siegend steht
wenn tapfrer Männer
Heldenthum verweht

Wir schreiben, wohlgemerkt, das Jahr 1926, 10 Jahre nach Fertigstellung des Moderson-Becker Hauses, wird über dem Eingang der Böttcherstraße der "Lichtbringer" (siehe oben) angebracht, der den dreiköpfigen Drachen in seine Schranken weist. Das ist kein Heiliger Georg, der hat keine Flügel, sondern einen Umhang, und der hat dem Ungeheuer nicht die Köpfe ab sondern schickt es zurück wo es herkam. Das ist kein Kotau mehr, da kriecht der Künstler den neuen Herrschenden gewaltig in den Allerwertesten.
Aber diese sehen nicht so recht, dass dieser Lichtbringer der Dolferl aus Braunau sein soll. Sie stört vor allem die "defätistische" Demontage von Kriegshelden in der Widmung oben. Aber auch da sind die Herren Roselius und Hoetgers willfährig. Hoetgers ersetzt das "wenn" in ein "bis" in der vorletzten Zeile. Aber Hitler ist diese Worpsweder Truppe immer noch suspekt, obwohl sie doch so sehr das Germanentum beschwören und um den Weltenbaum Yggdrasil tanzen.
Ich muss jetzt abbrechen. Die Ausstellungen und die ganze Böttcherstraße, das arbeitet noch lange nach! 


Ein paar Impressionen noch.






Was für ein Parforce Ritt durch die Architekturgeschichte.

Jetzt soll es gut sein. Ich will Euch ja nicht mit ollen Kamellen vergraulen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich noch ein wenig begleitet. 

Auch wenn die Windverhältnisse heute sehr angenehm waren, eine weitere Meldung von der Hallig Warnieroog

"Siehst du oben rosa Elefanten treiben,

musst du ruhig und gelassen bleiben!"

 (und dich fragen: "Wie viele `Jubis` waren das heute?")






Mittwoch, 7. Juli 2021

25.Tag: Von Cuxhaven bis Bremerhaven

die Karte

Cuxhaven ist cool. Mit dem herben Charme von Nordsee, Hans Albers, Freddy Quinn und falscher Fischkutterromantik. Hier fühlt sich Mann noch ernst genommen.

Wo sonst bekommt Mann ein ihm angemessenes "Betthupferl"


Fisch in Tomatensoße, ein Werbegeschenk der Firma Appel.




Kein Wunder, dass ich heute etwas breitbeinig aus dem Hotel kam. Nein, nicht cowboybreitbeinig, sondern seebärmäßig. 
Spaß beiseite, Cuxhaven hat mir wirklich gut gefallen.

"Auf ans Meer!" - Daraus wurde so schnell nichts! Zwar pfiff schon eine ganz schön ssteife Brise, aber von Meer nichts zu sehen.
Erst kam einmal Wald


Schön hier im Wernerwald, aber wo bleibt das Meer? Die Fischkutter?
Dann irgendwann der Deich. Hoch und grün und langweilig. Auf der anderen Seite, endlos Salzwiesen und ganz weit hinten das Meer. Jetzt bin ich im/am "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer". Das Besucherinformationszentrum hat leider noch zu. 
Bis Cappel-Neufeld bleibt mir nichts übrig, als ab und zu anzuhalten die Treppen hochzugehen, um zu sehen, ob das Meer noch da ist. Ist es. Aber kein Weg auf der anderen Seite des Deichs. 
Der Wind stark und stetig von 12:00 Uhr. 


Die Salzwiesen sind eine ganz eigenwillige Landschaft, viele Vögel, keine Wege.

Irgendwann beginnt der Tourismus im Nationalpark und bei der "Spiekaer Wasserlöse"
liegen sogar Krabbenkutter.


Jetzt ist der Radweg voll. Leihräder, É-bikes, Spaziergänger.
Um Dorum-Neufeld beginnen die Campingplätze. 
Aber danach wird es wieder einsam - und es gibt einen Weg direkt am Wasser. 
Mittagspause.



Die Steine sind warm und ich bin etwas windgeschützt. Herrlich. Da spricht mich jemand an. Einer Dame im Elektrorollstuhl ist nach einem gemütlichen "Schnack". Sie war Sonderschullehrerin in Bremen. Hat dort aber wegen der Folgen ihrer Kinderlähmung keine Anstellung bekommen. Hat sich aber mit Hilfe der GEW eingeklagt. Musste aber dann nach Bremerhaven, Niedersachsen hat sie eingestellt.... in einer halben Stunde hat sie mir ihr Leben erzählt, einschließlich allen Wissenswertens über Bremerhaven. Dass die Stadt nicht so alt ist. Erst im 19.Jahrhundert, als der Bremer Hafen völlig versandet war, hat man nach Alternativen gesucht. Immer mehr Kaufleute löschten ihre Ladung in Brake, das gefiel der Bremer Kaufmannschaft aber nicht, denn Brake befand sich unter der Herrschaft Oldenburgs und mit den Oldenburgern war Bremen schon zu Hansezeiten verfeindet. 
Anita meint, das Interessanteste an Bremerhaven sei der Containerhafen - und der sei ihr wurscht. Aber ihr Bruder, wenn er auf Besuch ist schaut da gerne zu.
So vergeht meine Mittagspause wie im Fluge! Ob ich noch auf einen Kaffee kommen wolle, sie wohne gleich hinterm Deich... "Nein, danke! Ich muss leider weiter!"

Die nächsten Kilometer sind wirklich schön, und ich vergesse manchmal fast, dass der Wind immer stärker wird.

Man kann fast dabei zuschauen, wie sich das Wasser zurückzieht. Die Holzpfosten stehen von Minute zu Minute weiter aus dem Wasser heraus. Sandbänke tauchen auf. Quellerwiesen werden immer breiter. Das Meer verändert seine Farbe, es wird im brauner.
Anita sagte auch, für sie sei hier noch Meer. Hier sei zwar der Mündungstrichter der Weser, aber bei Ebbe ist hier alles trocken. Nur die Fahrrinne für die Schiffe, die Weser eben, sei noch da. Schade, dass ich nicht so lange warten kann.


Bald beginnt der weniger romantische Teil des heutigen Tages. Ich finde den Containerhafen schon auch interessant. Solange ich auf dem Deich stehe und das Be- und Entladen aus der Ferne beobachten kann.

Kurz danach muss ich jedoch über das Hafengelände, d.h. quer über den Haupteingang. Die leeren Lastwagen rattern rein, die mit Containern, beladenen, wieder raus. Es gibt zwar eine Ampel, aber es dauert und dauert. Und eine Ampelphase reicht nur für eine Fahrbahn.
Auch die Weiterfahrt Richtung Zentrum ist nicht gerade angenehm.
Erstaunlicherweise sagen die Radwegschilder noch 6 km bis ins Zentrum. Albert sagt, das Hotel ist schon in 3 km.
Habe ich da einen Fehler gemacht? Den ersten auf der Reise? Tatsächlich mein Hotel ist zwar an der Hafenstraße, doch ist ist ca 6 km lang und ich wohne nicht am unteren Ende.Na ja, dafür komme ich trocken an, und kaum bin ich auf dem Zimmer, geht der erste Regenschauer des Tages runter. 
Es waren zwar nur 54 km heute, aber meine Oberschenkel behauptet es seien mindestens 70 gewesen. 
Nach dem Regen schwinge ich mich noch einmal aufs Rad um weiter ins Zentrum zu fahren. Doch da kommt der nächste Regenschauer! 
Dann halt Morgen, eine Stadtdurchfahrt im Schnelldurchgang. Und das Abendessen bei einem der kleinen türkischen Lokale in der Nähe.
Und zum Schluss, die neuesten Wettermeldungen von der Wetterstation "Hochwiebreit" auf der Hallig "Warnieroog":

"Siehst Du Möwen rückwärts fliegen,
besser schnell vom Rad gestiegen!"

Ich werde heute nicht alt! Hoffentlich gibt es nicht wieder ein Elfmeterschießen! 
Schaut Morgen wieder vorbei!
Bis dann!















Dienstag, 6. Juli 2021

24. Tag: Von Glückstadt bis Cuxhaven

die Karte 


Mit Vollgas durch die Wilstermarsch. Wie bin ich an der Elbe entlanggeflogen (mit Rückenwind natürlich)!


Aber von Anfang an:




Das Hotel  "Anno1617" ist ein richtiges Radlerhotel. Der Innenhof ist am Abend gerammelt voll,  ein E-Bike neben dem andern. Mein Rad ganz hinten verbaut. Macht nichts. Bis Brunsbüttel sind es gerade mal 35 km und meine Fähre nach Cuxhaven geht erst um 14:00 Uhr. Da frühstücke ich in Ruhe, bis die andern weg sind. 
Und in der Tat, die verschiedenen Reisegruppen scheinen es eilig zu haben, zumindest sitzen sie alle in ihren Radlerklamotten im Frühstückszimmer und scharren mit den Radlerschuhen.
Als ich mein Rad hole sind alle schon weg - bis auf ein anderes.
Albert hat eine brillante Idee, - soll auch mal vorkommen.


Am "neuen Fleet" entlang komme ich zügig wieder auf den Elbradweg - und siehe da! Die ganzen Reisegruppen vom Hotel, kommen plötzlich von hinten angedüst. 



Nach 3 Wochen, in denen wir kaum andere Radreisende getroffen haben, ist es ein seltsames Gefühl, auf einer "Radlerautobahn" zu reisen.
Aber der Rückenwind ist einfach genial. Unterwegs treffe ich Will, einen Holländer, der auch schon eine zeitlang unterwegs ist, - etwa in meinem Alter und kein Freund von E-Bikern. Wir unterhalten uns, und er erklärt mir, dass es gar nicht so unüblich ist, dass vormittags  Containerschiffe unterwegs sind, da sie lieber nachts einlaufen, um tagsüber zu löschen. Wer weiß, vielleicht ist das die Erklärung dafür, dass ich während meiner Elbroute nur 3 große Pötte gesehen haben.


Bei Brokdorf biegt Will ab. Tschüss, war interessant mit Dir zu sprechen!

Das AKW von Brokdorf! Der Gegner schlechthin, abgesehen natürlich von Whyl, doch da war der Widerstand erfolgreich. Brokdorf hingegen ist noch immer am Netz. Es ist eines der Leistungsstärksten in Deutschland und hat 2015 den meisten Strom aller AKWs weltweit erzeugt. Ende diesen Jahres soll ja Schluss sein! Hoffen wir mal!

Gegen 10:30  bin ich schon in Brunsbüttel. Da setzt heftiger Regen ein. Kein Problem, ich stelle mich unter das Dach eines Kiosks. Der Regen hört auf, und eine Fähre kommt. Albert sagt, ich muss über das Wasser. Also rauf auf die Fähre, mit der man über den Einstieg in den Elbe-Ostseekanal, hinüber nach Brunsbüttel kommt.


Anscheinend ist diese Fähre kostenlos. Es kam niemand zum Abkassieren. 



Hier sieht es richtig nach Nordsee aus!

Der Fähranleger nach Cuxhaven ist noch ein ganzes Stück außerhalb von Brunsbüttel.  Die Stadterkundung auf dem Rad war völlig ausreichend. Am Besten hat mir der alte Dorfkrug gefallen.


Zehn nach Elf komme ich am  Kassenhäuschen an. 
Rainää, begrüßt mich freudestrahlend. "Die Fähre ist vor 10 min los!" - Die nächste geht um 14.00. Wusste ich ja schon.  Rainer ist aber nicht nur ein Scherzkeks, sondern auch ein herzensguter Mensch. Er fragt mich, ob ich einen Kaffee will, - klar, will ich. Er geht rüber ins Büro und holt einen für mich! Das war sehr nett von Rainer.
 Inzwischen weht das, was die Nordlichter eine "sstteiffe Brise" nenne. Gut, das es das Bretterhäuschen gibt, in das ich mich verkriechen kann. Die 2,5 km zurück nach Brunsbüttel hätten sich nicht gelohnt, Baustellen habe ich auf dieser Reise schon genug gesehen.

Pünktlich um 13:30 kommt die Fähre zurück von Cuxhaven. Kurz noch ein richtiger Schreck!



Das Baggerschiff kreuzt den Kurs der Fähre  soo knapp. Aber vielleicht sah es vom Ufer auch nur so aus
.

Die Fähre ist größer als erwartet. Ganz gut, bei dem Wind und den Wellen. Und vor uns ist von der Elbe nicht mehr viel zu sehen. Das ist das Meer.


Viel zu sehen gibt es eigentlich nicht. Schiffe? Fehlanzeige. 
Erst als wir der Cuxhavener Elbseite entlang fahren wird es wieder interessanter.


 Hier werden offensichtlich Offshore-Windkraftanlagen vorbereitet. Gewaltige Flügel sind das.

Auf dem Weg zum Hotel, im Hafenbereich ist eine richtige "Fressmeile" mit Fischrestaurants. Das sieht extrem lecker aus. 
Und war es auch. In der Austernperle habe ich fangfrische Scholle mit frischen Krabben gegessen. 
Da ich prinzipiell keine Teller mit Speisen fotografiere, müsst Ihr das Euch das einfach mal vorstellen.


Nur die heftig flatternden Fahnen machen mir etwas Sorgen. Die wehen so was von in die falsche Richtung. Das könnte Morgen heftig werden.

Und da sind wir wieder bei Wind und Wetter: 
Auf Grund vieler freundlicher Anfragen, zum gestrigen Blog und die "fliegenden Kühe" betreffend, habe ich beschlossen, ab heute die Wettermeldungen der meteorologischen Station "Hochwiebreit" auf der Hallig Warnieroog einzubeziehen. Die heutige Wettermeldung lautet wie folgt:


"Fliegen Schafe übern Deich
ist das dem Ostfriesen gleich!"
(und dem Ditmarscher nicht minder)

Wir sehen uns Morgen- hopefully!


So und jetzt noch der Bericht, wie es Friederike auf ihrer Heimfahrt ergangen ist. Die letzten Jahre war das Zurückkommen oft recht abenteuerlich:

Meine Rückfahrt? ... eigentlich ganz unspektakulär, jede*r kennt ja diese langen Zugfahrten.

Der Zug hält auf einem anderen Gleis als angekündigt, deshalb ist der Wagenstandsanzeiger natürlich auch nicht zu finden, aber schließlich steht das Fahrrad an seinem Platz und ich sitze auf meinem. Eine Zeitlang fährt man völlig entspannt und unbehelligt, dann kommt die Durchsage, dass das Bordrestaurant nicht geöffnet ist, was je egal ist. Ich hab einen großen Beutel mit Proviant. Dann gibt’s eine kleine Verspätung, weil eine Tür nicht aufgeht, mir auch egal. Der Zug wird immer voller, viele Leute sitzen auf dem Boden.  Beim nächsten Stopp geht  eine Tür nicht mehr zu. Ausgerechnet die vom Fahrradabteil. Aber vier Schaffner*innen schaffen es, abzusperren. Inzwischen ist die Verspätung bei 20 Minuten. Dann kommt die Durchsage, dass der Zug nicht wie geplant bis Chur fährt, sondern alle in Basel Badischer Bahnhof aussteigen müssen. Große Unruhe, die Weiterreisenden müssen wohl mit der S-Bahn zum SBB Bahnhof fahren. Ich wollte eigentlich nur bis Freiburg fahren, aber mit dieser Verspätung bekomm ich den Zug nicht mehr Richtung Schwarzwald. Also bleibt Basel und über Singen als Option. Beim nächsten Stopp geht die abgesperrte Tür gar nicht mehr auf und die aussteigenden Fahrradfahren mühen sich durch den viel zu engen Gang. Tipp: Fahrrad vorne hochstellen, also aufbäumen, sonst geht der Lenker nicht durch die Sitzreihen. Entgegen kommen inzwischen die einsteigenen Fahrräder. Kurze Zeit geht gar nichts mehr, die Leute auf dem Boden haben sich schon längst in andere Abteile verzogen. Jetzt sind es 30 Minuten Verspätung. Ich suche einen Schaffner wegen Umplanung, andere wegen Weiterfahrt in die Schweiz, die Radfahrer wollen wissen ob auch in Freiburg die Tür zugesperrt bleibt. Wir müssen den ganzen Zug durchqueren, die Schaffner*innen sind alle im ersten Abteil. Ich darf über Basel. Und die Radfahrer werden beruhigt, in Freiburg hält der Zug auf Gleis 2 und der Ausstieg ist auf der anderen Seite. Aber, wegen der Verspätung stimmt das nicht. In Freiburg bricht das Chaos aus. Und wer jetzt ein E-Bike hat…. Puh das Fahrrad aufbäumen… die meisten Männer schaffen es gerade so, die meisten Frauen mühen sich mit dem Gepäck ab und blockieren die Türen. Ich bin beruhigt, in Basel ist ja Endstation und ich hab viel Zeit. Dann das kurze Stück Basel-Singen, am Rhein entlang, ein schönes Fahren, auch mal kurz ein Halt auf offener Strecke, ob ich meinen Zug in Singen nun noch bekomme? Ja, hat geklappt, zwar sehr knapp und man kommt dann schon ins schwitzen, aber passt.

Also eine ganz normale Zugfahrt, wie jede*r sie kennt.

Und zuhause wartet mein verwilderter Garten, es blüht und wuchert und grünt, und ganz im Verborgenen, hinter dem Feuerdorn,  hat dieser kleine Kaktus angefangen zu blühen. 




Hier ist es auch schön! Aber weiter zu radeln wäre eine noch bessere Alternative.

Gute Fahrt, Manne.

 

38. Tag: Heimfahrt

  Daheim! Hier ist es auch sehr schön!! Das war wirklich eine wunderschöne Reise! Durch 11 Bundesländer. mir/uns bislang unbekannte Teile de...