Mittwoch, 7. Juli 2021

25.Tag: Von Cuxhaven bis Bremerhaven

die Karte

Cuxhaven ist cool. Mit dem herben Charme von Nordsee, Hans Albers, Freddy Quinn und falscher Fischkutterromantik. Hier fühlt sich Mann noch ernst genommen.

Wo sonst bekommt Mann ein ihm angemessenes "Betthupferl"


Fisch in Tomatensoße, ein Werbegeschenk der Firma Appel.




Kein Wunder, dass ich heute etwas breitbeinig aus dem Hotel kam. Nein, nicht cowboybreitbeinig, sondern seebärmäßig. 
Spaß beiseite, Cuxhaven hat mir wirklich gut gefallen.

"Auf ans Meer!" - Daraus wurde so schnell nichts! Zwar pfiff schon eine ganz schön ssteife Brise, aber von Meer nichts zu sehen.
Erst kam einmal Wald


Schön hier im Wernerwald, aber wo bleibt das Meer? Die Fischkutter?
Dann irgendwann der Deich. Hoch und grün und langweilig. Auf der anderen Seite, endlos Salzwiesen und ganz weit hinten das Meer. Jetzt bin ich im/am "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer". Das Besucherinformationszentrum hat leider noch zu. 
Bis Cappel-Neufeld bleibt mir nichts übrig, als ab und zu anzuhalten die Treppen hochzugehen, um zu sehen, ob das Meer noch da ist. Ist es. Aber kein Weg auf der anderen Seite des Deichs. 
Der Wind stark und stetig von 12:00 Uhr. 


Die Salzwiesen sind eine ganz eigenwillige Landschaft, viele Vögel, keine Wege.

Irgendwann beginnt der Tourismus im Nationalpark und bei der "Spiekaer Wasserlöse"
liegen sogar Krabbenkutter.


Jetzt ist der Radweg voll. Leihräder, É-bikes, Spaziergänger.
Um Dorum-Neufeld beginnen die Campingplätze. 
Aber danach wird es wieder einsam - und es gibt einen Weg direkt am Wasser. 
Mittagspause.



Die Steine sind warm und ich bin etwas windgeschützt. Herrlich. Da spricht mich jemand an. Einer Dame im Elektrorollstuhl ist nach einem gemütlichen "Schnack". Sie war Sonderschullehrerin in Bremen. Hat dort aber wegen der Folgen ihrer Kinderlähmung keine Anstellung bekommen. Hat sich aber mit Hilfe der GEW eingeklagt. Musste aber dann nach Bremerhaven, Niedersachsen hat sie eingestellt.... in einer halben Stunde hat sie mir ihr Leben erzählt, einschließlich allen Wissenswertens über Bremerhaven. Dass die Stadt nicht so alt ist. Erst im 19.Jahrhundert, als der Bremer Hafen völlig versandet war, hat man nach Alternativen gesucht. Immer mehr Kaufleute löschten ihre Ladung in Brake, das gefiel der Bremer Kaufmannschaft aber nicht, denn Brake befand sich unter der Herrschaft Oldenburgs und mit den Oldenburgern war Bremen schon zu Hansezeiten verfeindet. 
Anita meint, das Interessanteste an Bremerhaven sei der Containerhafen - und der sei ihr wurscht. Aber ihr Bruder, wenn er auf Besuch ist schaut da gerne zu.
So vergeht meine Mittagspause wie im Fluge! Ob ich noch auf einen Kaffee kommen wolle, sie wohne gleich hinterm Deich... "Nein, danke! Ich muss leider weiter!"

Die nächsten Kilometer sind wirklich schön, und ich vergesse manchmal fast, dass der Wind immer stärker wird.

Man kann fast dabei zuschauen, wie sich das Wasser zurückzieht. Die Holzpfosten stehen von Minute zu Minute weiter aus dem Wasser heraus. Sandbänke tauchen auf. Quellerwiesen werden immer breiter. Das Meer verändert seine Farbe, es wird im brauner.
Anita sagte auch, für sie sei hier noch Meer. Hier sei zwar der Mündungstrichter der Weser, aber bei Ebbe ist hier alles trocken. Nur die Fahrrinne für die Schiffe, die Weser eben, sei noch da. Schade, dass ich nicht so lange warten kann.


Bald beginnt der weniger romantische Teil des heutigen Tages. Ich finde den Containerhafen schon auch interessant. Solange ich auf dem Deich stehe und das Be- und Entladen aus der Ferne beobachten kann.

Kurz danach muss ich jedoch über das Hafengelände, d.h. quer über den Haupteingang. Die leeren Lastwagen rattern rein, die mit Containern, beladenen, wieder raus. Es gibt zwar eine Ampel, aber es dauert und dauert. Und eine Ampelphase reicht nur für eine Fahrbahn.
Auch die Weiterfahrt Richtung Zentrum ist nicht gerade angenehm.
Erstaunlicherweise sagen die Radwegschilder noch 6 km bis ins Zentrum. Albert sagt, das Hotel ist schon in 3 km.
Habe ich da einen Fehler gemacht? Den ersten auf der Reise? Tatsächlich mein Hotel ist zwar an der Hafenstraße, doch ist ist ca 6 km lang und ich wohne nicht am unteren Ende.Na ja, dafür komme ich trocken an, und kaum bin ich auf dem Zimmer, geht der erste Regenschauer des Tages runter. 
Es waren zwar nur 54 km heute, aber meine Oberschenkel behauptet es seien mindestens 70 gewesen. 
Nach dem Regen schwinge ich mich noch einmal aufs Rad um weiter ins Zentrum zu fahren. Doch da kommt der nächste Regenschauer! 
Dann halt Morgen, eine Stadtdurchfahrt im Schnelldurchgang. Und das Abendessen bei einem der kleinen türkischen Lokale in der Nähe.
Und zum Schluss, die neuesten Wettermeldungen von der Wetterstation "Hochwiebreit" auf der Hallig "Warnieroog":

"Siehst Du Möwen rückwärts fliegen,
besser schnell vom Rad gestiegen!"

Ich werde heute nicht alt! Hoffentlich gibt es nicht wieder ein Elfmeterschießen! 
Schaut Morgen wieder vorbei!
Bis dann!















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