Dienstag, 6. Juli 2021

24. Tag: Von Glückstadt bis Cuxhaven

die Karte 


Mit Vollgas durch die Wilstermarsch. Wie bin ich an der Elbe entlanggeflogen (mit Rückenwind natürlich)!


Aber von Anfang an:




Das Hotel  "Anno1617" ist ein richtiges Radlerhotel. Der Innenhof ist am Abend gerammelt voll,  ein E-Bike neben dem andern. Mein Rad ganz hinten verbaut. Macht nichts. Bis Brunsbüttel sind es gerade mal 35 km und meine Fähre nach Cuxhaven geht erst um 14:00 Uhr. Da frühstücke ich in Ruhe, bis die andern weg sind. 
Und in der Tat, die verschiedenen Reisegruppen scheinen es eilig zu haben, zumindest sitzen sie alle in ihren Radlerklamotten im Frühstückszimmer und scharren mit den Radlerschuhen.
Als ich mein Rad hole sind alle schon weg - bis auf ein anderes.
Albert hat eine brillante Idee, - soll auch mal vorkommen.


Am "neuen Fleet" entlang komme ich zügig wieder auf den Elbradweg - und siehe da! Die ganzen Reisegruppen vom Hotel, kommen plötzlich von hinten angedüst. 



Nach 3 Wochen, in denen wir kaum andere Radreisende getroffen haben, ist es ein seltsames Gefühl, auf einer "Radlerautobahn" zu reisen.
Aber der Rückenwind ist einfach genial. Unterwegs treffe ich Will, einen Holländer, der auch schon eine zeitlang unterwegs ist, - etwa in meinem Alter und kein Freund von E-Bikern. Wir unterhalten uns, und er erklärt mir, dass es gar nicht so unüblich ist, dass vormittags  Containerschiffe unterwegs sind, da sie lieber nachts einlaufen, um tagsüber zu löschen. Wer weiß, vielleicht ist das die Erklärung dafür, dass ich während meiner Elbroute nur 3 große Pötte gesehen haben.


Bei Brokdorf biegt Will ab. Tschüss, war interessant mit Dir zu sprechen!

Das AKW von Brokdorf! Der Gegner schlechthin, abgesehen natürlich von Whyl, doch da war der Widerstand erfolgreich. Brokdorf hingegen ist noch immer am Netz. Es ist eines der Leistungsstärksten in Deutschland und hat 2015 den meisten Strom aller AKWs weltweit erzeugt. Ende diesen Jahres soll ja Schluss sein! Hoffen wir mal!

Gegen 10:30  bin ich schon in Brunsbüttel. Da setzt heftiger Regen ein. Kein Problem, ich stelle mich unter das Dach eines Kiosks. Der Regen hört auf, und eine Fähre kommt. Albert sagt, ich muss über das Wasser. Also rauf auf die Fähre, mit der man über den Einstieg in den Elbe-Ostseekanal, hinüber nach Brunsbüttel kommt.


Anscheinend ist diese Fähre kostenlos. Es kam niemand zum Abkassieren. 



Hier sieht es richtig nach Nordsee aus!

Der Fähranleger nach Cuxhaven ist noch ein ganzes Stück außerhalb von Brunsbüttel.  Die Stadterkundung auf dem Rad war völlig ausreichend. Am Besten hat mir der alte Dorfkrug gefallen.


Zehn nach Elf komme ich am  Kassenhäuschen an. 
Rainää, begrüßt mich freudestrahlend. "Die Fähre ist vor 10 min los!" - Die nächste geht um 14.00. Wusste ich ja schon.  Rainer ist aber nicht nur ein Scherzkeks, sondern auch ein herzensguter Mensch. Er fragt mich, ob ich einen Kaffee will, - klar, will ich. Er geht rüber ins Büro und holt einen für mich! Das war sehr nett von Rainer.
 Inzwischen weht das, was die Nordlichter eine "sstteiffe Brise" nenne. Gut, das es das Bretterhäuschen gibt, in das ich mich verkriechen kann. Die 2,5 km zurück nach Brunsbüttel hätten sich nicht gelohnt, Baustellen habe ich auf dieser Reise schon genug gesehen.

Pünktlich um 13:30 kommt die Fähre zurück von Cuxhaven. Kurz noch ein richtiger Schreck!



Das Baggerschiff kreuzt den Kurs der Fähre  soo knapp. Aber vielleicht sah es vom Ufer auch nur so aus
.

Die Fähre ist größer als erwartet. Ganz gut, bei dem Wind und den Wellen. Und vor uns ist von der Elbe nicht mehr viel zu sehen. Das ist das Meer.


Viel zu sehen gibt es eigentlich nicht. Schiffe? Fehlanzeige. 
Erst als wir der Cuxhavener Elbseite entlang fahren wird es wieder interessanter.


 Hier werden offensichtlich Offshore-Windkraftanlagen vorbereitet. Gewaltige Flügel sind das.

Auf dem Weg zum Hotel, im Hafenbereich ist eine richtige "Fressmeile" mit Fischrestaurants. Das sieht extrem lecker aus. 
Und war es auch. In der Austernperle habe ich fangfrische Scholle mit frischen Krabben gegessen. 
Da ich prinzipiell keine Teller mit Speisen fotografiere, müsst Ihr das Euch das einfach mal vorstellen.


Nur die heftig flatternden Fahnen machen mir etwas Sorgen. Die wehen so was von in die falsche Richtung. Das könnte Morgen heftig werden.

Und da sind wir wieder bei Wind und Wetter: 
Auf Grund vieler freundlicher Anfragen, zum gestrigen Blog und die "fliegenden Kühe" betreffend, habe ich beschlossen, ab heute die Wettermeldungen der meteorologischen Station "Hochwiebreit" auf der Hallig Warnieroog einzubeziehen. Die heutige Wettermeldung lautet wie folgt:


"Fliegen Schafe übern Deich
ist das dem Ostfriesen gleich!"
(und dem Ditmarscher nicht minder)

Wir sehen uns Morgen- hopefully!


So und jetzt noch der Bericht, wie es Friederike auf ihrer Heimfahrt ergangen ist. Die letzten Jahre war das Zurückkommen oft recht abenteuerlich:

Meine Rückfahrt? ... eigentlich ganz unspektakulär, jede*r kennt ja diese langen Zugfahrten.

Der Zug hält auf einem anderen Gleis als angekündigt, deshalb ist der Wagenstandsanzeiger natürlich auch nicht zu finden, aber schließlich steht das Fahrrad an seinem Platz und ich sitze auf meinem. Eine Zeitlang fährt man völlig entspannt und unbehelligt, dann kommt die Durchsage, dass das Bordrestaurant nicht geöffnet ist, was je egal ist. Ich hab einen großen Beutel mit Proviant. Dann gibt’s eine kleine Verspätung, weil eine Tür nicht aufgeht, mir auch egal. Der Zug wird immer voller, viele Leute sitzen auf dem Boden.  Beim nächsten Stopp geht  eine Tür nicht mehr zu. Ausgerechnet die vom Fahrradabteil. Aber vier Schaffner*innen schaffen es, abzusperren. Inzwischen ist die Verspätung bei 20 Minuten. Dann kommt die Durchsage, dass der Zug nicht wie geplant bis Chur fährt, sondern alle in Basel Badischer Bahnhof aussteigen müssen. Große Unruhe, die Weiterreisenden müssen wohl mit der S-Bahn zum SBB Bahnhof fahren. Ich wollte eigentlich nur bis Freiburg fahren, aber mit dieser Verspätung bekomm ich den Zug nicht mehr Richtung Schwarzwald. Also bleibt Basel und über Singen als Option. Beim nächsten Stopp geht die abgesperrte Tür gar nicht mehr auf und die aussteigenden Fahrradfahren mühen sich durch den viel zu engen Gang. Tipp: Fahrrad vorne hochstellen, also aufbäumen, sonst geht der Lenker nicht durch die Sitzreihen. Entgegen kommen inzwischen die einsteigenen Fahrräder. Kurze Zeit geht gar nichts mehr, die Leute auf dem Boden haben sich schon längst in andere Abteile verzogen. Jetzt sind es 30 Minuten Verspätung. Ich suche einen Schaffner wegen Umplanung, andere wegen Weiterfahrt in die Schweiz, die Radfahrer wollen wissen ob auch in Freiburg die Tür zugesperrt bleibt. Wir müssen den ganzen Zug durchqueren, die Schaffner*innen sind alle im ersten Abteil. Ich darf über Basel. Und die Radfahrer werden beruhigt, in Freiburg hält der Zug auf Gleis 2 und der Ausstieg ist auf der anderen Seite. Aber, wegen der Verspätung stimmt das nicht. In Freiburg bricht das Chaos aus. Und wer jetzt ein E-Bike hat…. Puh das Fahrrad aufbäumen… die meisten Männer schaffen es gerade so, die meisten Frauen mühen sich mit dem Gepäck ab und blockieren die Türen. Ich bin beruhigt, in Basel ist ja Endstation und ich hab viel Zeit. Dann das kurze Stück Basel-Singen, am Rhein entlang, ein schönes Fahren, auch mal kurz ein Halt auf offener Strecke, ob ich meinen Zug in Singen nun noch bekomme? Ja, hat geklappt, zwar sehr knapp und man kommt dann schon ins schwitzen, aber passt.

Also eine ganz normale Zugfahrt, wie jede*r sie kennt.

Und zuhause wartet mein verwilderter Garten, es blüht und wuchert und grünt, und ganz im Verborgenen, hinter dem Feuerdorn,  hat dieser kleine Kaktus angefangen zu blühen. 




Hier ist es auch schön! Aber weiter zu radeln wäre eine noch bessere Alternative.

Gute Fahrt, Manne.

 

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