Montag, 12. Juli 2021

30.Tag: Von Rinteln nach Bodenwerder

die Karte

Der Weserradweg ist fantastisch. Jeden Tag gefällt er mir besser! 


Auch wenn das Wetter  etwas unberechenbar ist. Gestern Abend - ein wunderschöner Sonnenuntergang nach dem Gewitter. Heute Morgen, - das ganze Tal eine Waschküche


Das ist übrigens der Kirchturm von Engern. Es ist kühl, aber nicht kalt. Gegen Mittag hin wird es immer schwüler. Doch ich komme, ein weiteres Mal trocken in Bodenwerder an.

Doch von Anfang an:

Von Rinteln nach Hameln sind es etwa 28 km. Die vergehen wie im Flug. Nichts spektakuläres, nur ich und der Fluss. Er ist voll, randvoll. Noch so ein Gewitter wie gestern und einige Abschnitte des Weserradweges werden nicht mehr passierbar sein.


Kurz vor Hameln sind die 1.500 km voll.


Wie viele es noch werden werden? Keine Ahnung, die 2.000 wohl nicht ganz.

Hameln passt genau für eine schöne Mittagspause mit Stadtrundgang. Gefällt mir gut, die Stadt des Rattenfängers. Ganz besonders, dass sich die Stadt ausgerechnet die Ratten zum Symbol erkoren haben, mit denen der ganze Schlamassel doch angefangen hat. 


In der ganzen Stadt sind die im Stil allseits bekannten Plastiktiere verteilt, die unterschiedlich kreativ gestaltet wurden - kennt Ihr, mal sind es Kühe, mal Bären, mal Störche - in Hameln eben Ratten.

Aber Fachwerk können die Hamelner

 

So geht Fachwerk- Ihr Rintelner solltet mal wieder nach Hameln fahren. Fachwerk geht bis auf den Boden. Weder Vodafone noch H&M haben das Recht Euch vorzuschreiben, dass sie einen großen Würfel Beton brauchen, sonst würden sie nicht kommen sie! 


Hameln hat was. Das war eine schöne Mittagspause. Nur den Rattenfänger fand ich deutlich unterrepräsentiert.


Ok, könnte sein, dass sich so ein Kinderentführer heute nicht mehr so gut vermarkten lässt. Aber dann gleich die Ratten? Doch die Bürger der Stadt kommen in der Geschichte ja auch nicht so gut weg. Dann doch lieber die Ratten!! 
Nach Hameln fahre ich etliche Kilometer immer auf Grohnde zu. Die "Wolkenmaschine" ist schon von Weitem zu erkennen.


Nach 37 Jahren Laufzeit soll er dieses Jahr endlich vom Netz. Glauben wir es mal! 

Seit Rinteln ist der Weserradweg auch ein "Kulturradweg". Soll heißen: es wurde Kunst am Wegesrand platziert.


Es bedurfte manchmal eines 2. oder 3. Blickes, um die Kunst von landwirtschaftlichen Gerätschaften zu unterscheiden. Aber das Prinzip ist ehrenhaft.

Vor Bodenwerder, dem heutigen Etappenziel kommt noch, Kloster Kemnade


Hätte ich mir gerne angeschaut, lag leider auf der falschen Seite. Das Kloster, das schon zu Bodenwerder gehört, hat seinen Namen von der Kemenate, dem beheizbaren Frauenzimmer (also in diesem Falle wirklich vom zweiten Wort als dem  Bestimmungswort ausgegangen). Das muss vor rund 1000 Jahren schon der Bringer gewesen sein, wenn man gleich einen Ort danach benennt.
Und dann meine heutige Bleibe.


 Schon der zweite Tag mit einem Zimmer mit Blick auf den Fluss. Herrlich.


Das alte Fährhaus, könnt Ihr mein Trikot im Fenster erkennen?

Bodenwerder ist eine richtige Überraschung. Eigentlich hat der Ort in erster Linie kilometermäßig gut gepasst. Aber dass er der Geburtsort vom Baron Münchhausen ist, das hatte ich nicht auf dem Schirm. 

Baron Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen ist hier geboren und auch hier gestorben.
Das Münchhausenmuseum ist eine sehr  sympathische kleine Sammlung.  Spannend an der Geschichte ist, dass der historische Baron seine Geschichten nur erzählt hat. Er ist viel gereist, war tatsächlich an vielen Schauplätzen seiner Geschichten. Aber er hat diese Geschichten nur mündlich in seinen "Tabakgesellschaften" zum Besten gegeben. Ein gelegentlicher Gast der Universalgelehrte Raspe, hatte Schulden, stahl Münzen, wurde entdeckt, musste nach England fliehen und hat dort, um weitere Schulden zu begleichen, einige der Geschichten, die er in Bodenwerder gehört hatte,  auf Englisch veröffentlich. Mit durchschlagendem Erfolg. Bürger hat sie dann ins Deutsche übersetzt und so begann die enorme Erfolgsgeschichte. Die Ausstellung in der Zehntscheuer des Schlosses ist durchgängig auf russisch und englisch getextet. Anscheinend ist der Baron in Russland noch heute enorm populär.

Bodenwerder ist ein kleiner Ort, aber er hat Charme. Vor allem die Schwarz/Weißen Fachwerkhäuser erinnern mich an die Arbeiten von Bernd und Hilla Becher. Wenn man vor diesen Häusern steht, dann merkt man erst, wie enorm schwer es ist sie so zu fotografieren, wie die beiden es getan haben.



Der Abend klingt im Garten des Hotels Anker aus. Ich schreibe den Blog, schaue aufs Wasser, die Luft ist mild und die Linden blühen. Die Gedanken  driften flussabwärts. 


Raucht hier jemand? Das ist ein ziemlich übler Knaster. "Herr Baron, sind sie das?"  
"Wer, den sonst, mein Sohn! Was haust du denn so wild auf diesen Kasten?"
 "Ich erzähle. was ich den Tag über so erlebe."
 "Und Du erzählst immer die Wahrheit?"
 "Immer!" 
 "Wie langweilig! Hast du nicht Lust mal so richtig auf den Putz zu hauen?"
 "Eigentlich schon, aber  heutzutage kann man sich nicht mehr so einfach am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, dafür haben Sie gesorgt!" 
" Ich? Meine Geschichten haben immer Allen gefallen! Und deine?" 
"Nun ja, ein paar Dutzend Menschen lesen sie jeden Tag?" 
"Ein paar Dutzend? Im Ernst? Weißt Du in wie viele Sprachen meine Geschichten übersetzt worden sind?- In über 40!!" 
"Eure Geschichten sind aber auch wirklich gut!" 
"Pass auf! Bist du Morgen noch in der Gegend?"
" Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, da kommt man am Tag nicht so weit." 
"Wunderbar, Morgen Abend, um dieselbe Uhrzeit - wieder an der Weser, meinem geliebten Fluss. Und bis Morgen denkst Du Dir eine Geschichte aus, eine "Münchhausen"-Geschichte, mal sehen ob  Du das kannst!"
"Mmh, auf dem Rad hat man viel Zeit. Also gut, ich versuch´s ! Herr Baron, bei meiner Ehr, Morgen um diese Zeit, eine Geschichte, die Euch zur Ehre gereichen würde!"
"Dann bis Morgen, mein Sohn!"
"Bis Morgen"


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