Freitag, 16. Juli 2021

34.Tag: Von Kassel nach Bebra

 die Karte


Was für ein Tag. 80km sind es bis Bebra geworden. 5 km hat Albert beim Rausfahren aus Kassel drauf gepackt. 5 km gehen auf meine Kappe, weil ich den Fuldaradweg und alle Altarme streng nach den Fuldaradwegschildern  abfahren wollte, - Albert nicht! Und 3-5 mehr sind es geworden, weil die Radwege zum Teil unter Wasser standen.

Was ich mir merken muss: "Baustellenschilder kann man als Radfahrer durchaus ignorieren. Über eine Baustelle kommst du fast immer irgendwie. ABER! Ignoriere nie wieder ein Hochwasserschild!

Aber von Anfang an!

Im Frühstücksraum im Kassel. Ich bin noch etwas verpeilt. Da höre ich auf einmal jemand sagen, "Guten Morgen, Herr Dr. Müller-Harter! Die Welt ist klein!" Da sitzt doch tatsächlich am Nebentisch, der Mann einer ehemaligen Kollegin von mir, - aus Zimmerholz! Sie haben hier in Kassel beruflich zu tun gehabt und werden sich jetzt auf die Rückreise machen. So wie ich, nur dass sie schon heute Abend wieder in Engen sind.

Für heute ist ab 16:00 Regen angesagt. Mal sehen, wie lange ich trocken bleibe. Die Ausfahrt aus Kassel erspare ich Euch, ein typischer Albert. Es dauert bis Fuldabrück, bis ich wieder an der Fulda bin.

Kurz danach, die oben erwähnte Sperre mit dem Hochwasserschild. Von Wasser auf dem Radweg ist erst einmal nichts zu sehen. Doch dann eine "Pfütze" vor der Kurve. Die schaffe ich doch- nur blöd, dass die Pfütze hinter der Kurve weitergeht und keine Pfütze mehr ist. Mit viel Mühe schaffe ich es auf einen Feldweg, der zurück ins Dorf geht. Meine Schuhe sind durchweicht. Füße waschen fällt heute aus.




Das ist die Wiese, die ist auch komplett sumpfig.
Doch sonst fährt es sich gut. Ich habe heute fast den ganzen Tag Rückenwind. Melsungen ist schön.
Aber Fachwerk habe ich in den letzten Tagen zur Genüge gehabt.


Die Ortschaften machen sich rar. Es wird wieder einsam auf der Strecke. Heute ist niemand unterwegs. 
Es gibt eigentlich nicht viel zu erzählen. Ich radle vor mich hin, die Schuhe quietschen, 2x habe ich die Socken schon ausgewrungen, die Schuhe haben sich total vollgesogen.


Dann eine Novität! Das hatte ich noch auf keiner Tour! Eine Fahrradgondel. Wenn man an dem Rad kurbelt kann man sich selbst über den Fluss ziehen - á la Baron M. Hätte ich wirklich gerne gemacht! Doch leider, leider muss die Gondel wegen der Wasserstände stehen bleiben - und ich einen extra Kringel von ca. 3 km auf einer sehr belebten Straße einlegen. Das war nicht lustig.


Rotenburg an der Fulda hat auch schönes Fachwerk. Den Schlenker über die Altstadt habe ich mir gespart. 
Es war trotz aller Fährnisse ein Tag mit ganz eigenem Charakter. 
Und Bebra passt dazu. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen "Zonenrandgebiet", ich bin aber nicht böse, deshalb sage ich das auch nicht.

Meine Unterkunft, der Hessische Hof passt auch dazu. Alle sind hier unter Strom. Ich passe nicht in ihr Konzept. "Wollten Sie nicht eigentlich Morgen kommen?" "Nein, wollte ich nicht." Es dauert, bis sie meinen Schlüssel gefunden haben. Wieder einmal die Dachkammer für den Alleinreisenden, was soll´s. Später, am Abend, als der Chef Zeit hat, meint er, das Zimmer wäre eigentlich gar nicht mehr im Programm. Den Eindruck habe ich allerdings auch!
Das Fahrrad kommt in den Festsaal. Ach, besser doch in die Kegelbahn. Denn im Saal ist ja heute "Modeschau". Ich schiebe mein Rad durch mobile Gaderoben, sieht ein bisschen aus wie die Angebote vom Johanni-Markt. 
Aber um 18:00 ist der Saal voll. Und die Küche rotiert. "Flammkuchen für 306! Currywurst nach 312!" Ich war noch nie so mittendrin im Geschehen der Küche! "Wohin soll noch mal die Currywurst?" - "312", murmle ich. Schwerhörig oder verpeilt oder beides? Auf jeden Fall geht es laut zu in der Küche des "Hessischen Hofes". Ich bekomme mein Essen in die Wirtsstube und bin sehr zufrieden. Während der Aufführung wird es in der Küche ruhiger. Ich würde ja so gerne mal in den Festsaal reinschauen, traue mich aber nicht. Die Damen, die an meinem Fenster Richtung Festsaal gingen waren eher jünger, das hat mich jetzt eher gewundert. Vielleicht sollte ich doch noch etwas bestellen und warten, was im Festsaal noch passiert.
"Agnes, wie geht Cappucchino mit Rum? Soll ich das Rumfläschelchen daneben stelle oder gleich rein?"
 Die Stimmung im Festsaal steigt offensichtlich. Das sollte sich gut auf die Verkäufe auswirken.
"Agnes, wo sind die Sektgläser? Im Schrank im Flur!"
"Agnes, wo sind die Piccolöchen?" "Ham wer nicht, nur große Flaschen". 
Agnes scheint die einzige Person zu sein, die den Durchblick hat. Sie ist deutlich die Älteste in dem Laden.
"Im Saal sind nur 2 Männer." - Freiwillig oder unter Gewaltandrohung mitgeschleppt worden, das ist die Frage!
Die Bedienung trifft sich am Tresen:
"Schenk mir doch auch noch ein Glas "Helle Freude" ein, sagt die eine Kellnerin zur anderen. 
"Mir auch!", sage ich. Die kann ich auch brauchen. Das hört sich doch gut an!"

Tja, Morgen ist die letzte Etappe. Bis auf die ersten 10 km, sind wir die schon am 1.Tag gefahren.
Geht die Tour wirklich schon ihrem Ende entgegen? Ich werde jetzt nicht schon wehmütig mit resümieren beginnen. Dafür ist Morgen noch Zeit. 
Schaut einfach wieder rein!!
Bis dann.






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