Sonntag, 11. Juli 2021

29.Tag: Von Petershagen nach Rinteln

die  Karte


Ein perfekter SonntagamFlussvorsichhinradeltag. Warm aber nicht heiß. Heute war die bisher schönste Strecke an der Weser. Hervorragende Radwege, fast immer am Fluss. Nur dass heute, am Sonntag, natürlich viele Sonntagsradler unterwegs waren - die gefährlichsten, mit Rennrädern ohne Klingel - das war zu erwarten. 


Bis Minden ist der "Verkehr" mäßig. 
Heute ist nicht nur ein Tag mit schönen Radwegen sondern auch ein Tag mit interessanten Sehenswürdigkeiten.
Die erste - zwar ohne Robbenfaktor - aber trotzdem faszinierend. Wusstet Ihr, dass es in Deutschland nur 2 Wasserstraßenkreuze gibt? Und beide habe ich auf dieser Reise gesehen. Das eine war bei Magdeburg, wo der Elbe/Havel-Kanal über die Elbe geht und zum Mittellandkanal wird, - und heute bei Minden wo nämlicher Kanal über die Weser führt, um dann weiter bis zum Rhein zu gehen. Wasserstraßenkreuze gibt es nur dort, wo ein Kanal über einen schiffbaren Fluss führt, und die Schiffe von einem System ins andere wechseln können. Trogbrücken dagegen gibt es in Deutschland etliche, wie auch in Frankreich.


In Minden gibt es sogar 2 "Tröge". D.h. die alte Kanalbrücke, die zur Schachtschleuse führt und ein neuer Trog - vermutlich für größere Lastkähne.



Hier kommt ein mit Kies beladenes Boot aus der alten Schleuse heraus.



Die stammt aus dem Jahr 1911-1913 und erlaubt den "Abstieg" in die Weser. Vor der Schleuse wartet ein Schiff mit Namen "Labe", also Elbe auf tschechisch und ein anderes hat einen polnischen Namen. Der Mittellandkanal ist wirklich eine internationale Verbindung. 
Oben sieht der Mittellandkanal ähnlich wie bei Magdeburg aus.


Sag noch einer in Ostwestfalen gäbe es nichts zu sehen. 
Minden hat mir auch gut gefallen. 
Sonntagmorgens haben wahrscheinlich alle Städte den Charme einer etwas übernächtigten Lady. Die Marienkirche ist die auffälligste im Stadtbild. Eine evangelische Marienkirche? Hat man nicht alle Tage, die Gemeinde hat sich sicherheitshalber "Albert-Schweizer-Gemeinde" benannt. Man bereit sich auf den Gottesdienst vor.


Sage noch einer, Corona mache nicht erfinderisch. Ich schleiche mich durch den Nebeneingang in die Kirche. Eine wunderschöne Orgel, ein Renaissance Taufbecken und eine ebensolche Kanzel, die auf Urvater Moses ruht.


Da hat mal ein Übersetzer gepennt, und hat statt "Strahlen" (karnaim) "Hörner" (keren) übersetzt und seither ist unser guter Moses ein Gehörnter - nicht zuletzt der berühmteste von Michelangelo.
Tja, so kann man auch zu Hörnern kommen...

Ansonsten ist Minden ein nettes Städtchen. 
Weiter Richtung Porta Westfalica. Jetzt werde ich endgültig die Norddeutsche Tiefebene verlassen und beim Weserdurchbruch in das Weserbergland rollen. Porta Westfalica als Gemeinde gibt es erst seit der Gemeindereform. Der Ortschaftsverbund aus 15 Gemeinden hat sich nach der preussischen Scheußlichkeit oberhalb von Hausberge genannt. 


Das Kaiser Wilhelm Denkmal (der Erste, Willi) ist in den 1890igern gebaut worden, noch ganz benebelt vom Sieg über den Erzfeind. 
Ich fahre durch die Pforte und bin im Weserbergland. Kein Zweifel, es hat wieder Berge und der Radweg bleibt nicht brav am Wasser.
Kurz vor Rinteln  muss ich einen Weserarm kreuzen. "Nichts leichter als das!" - eine kleine Fähre für Radfahrer bringt mich hinüber.


Es ist eine jener genialen Seilfähren, die keinen Motor brauchen sondern die Strömung des Flusses nutzen.
Gleich hinter der Fähre noch ein Highlight. Eine Wasserkianlage, mit der man sich durch den See ziehen lassen kann. Heutzutage fährt natürlich niemand mehr Wasserki - aller fuhren Wakeboard.

Rinteln ist ein richtiger Ostwestfälischer Camperhotspot. Das Ganze Weserufer bis Rinteln ein einziger Campingplatz.
Rinteln selbst soll auch eine schöne Altstadt haben. Schauen wir uns gleich an.


Sehr schön herausgeputzt - auf den ersten Blick.
Doch auf den Zweiten?



Moment, ich hole es noch näher ran:


Hier hat jemand mit viel Aufwand, Nazideko auf Mittelalter getrimmt. Der Industriearbeiter, der "Wehrstand" (in Wehrmachtsuniform) und der "Nährstand" (Sämann der neuen Zeit) - liebe Rintelner schaut Eure putzigen Fachwerkhäuser bei Gelegenheit mal wieder an. 
Aber eigentlich habt Ihr das "Mittelalter" ja schön in den ersten Stock verschoben. Damit unten das Geschäft brummt, habt Ihr wirklich keine Schändlichkeit ausgelassen.


Ein großer Teil der Ladengeschäft wurde so brachial modernisiert, dass die Fachwerkhäuser aussehen, als hätte man sie auf einen Betonklotz gehievt. Was sie ja auch sind. Anderswo hat man wenigstens versucht, den Betonbrutalismus mit Pseudofachwerk zu kaschieren, hier nicht. 

Dabei sind manche der Fachwerkhäuser wirklich sehr schön.


Liebe Rintelner da habt Ihr gewaltig Mist gebaut! 
Da gehe ich lieber zum "Strand"!


Von meinem Hotelzimmerfenster kann ich direkt auf das Treiben am Strand runterschauen. Nichts wie hin - und wenn es dort vermutlich nur Hamburger und Pommes gibt.
Aber kaum trete ich aus der Hoteltür, fängt ein heftiges Gewitter an. 
Ich renne 10 Schritte und rein in die Pizzeria neben dem Hotel.


Schade, wäre schön gewesen, den Tag im Liegestuhl ausklingen zu lasse. Alla gut, dann schaue ich mir halt nachher das Endspiel an. (Ich muss es Euch gestehen, es ist ein neues Gefühl, dass ich den italienischen Fußball sympathischer finde als den englischen)

Nun gut, ich hoffe, wir sehen uns Morgen!























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