Samstag, 10. Juli 2021

28.Tag: Von Dörverden nach Petershagen

 die Karte

Dörverden!? Habe vergessen zu fragen, wie der Ort ausgesprochen wird. Aber ein netter Kölner, der mit seinem 7jährigen Sohn für Bundesliga trainiert, ist mit mir der Meinung, dass man die r nicht aussprechen kann. Wir einigten uns auf "Döve(r)den". Dann muss ich die Jungs bitten, kurz auf ein anderes Tor zu spielen, denn ich will an mein Fahrrad, mache das Garagentor auf - dann der Schock. Ich war so platt, dass ich glatt vergessen habe ein Foto zu machen. Es müssen über 15 Fahrräder sein. Und ich war gestern der Erste! Verbisch noch mal! Was mach ich nun! Fast alles schwere E-Bikes. Ich sehe nur eine Möglichkeit. An der Wand sind eine Palette und eine ganze Reihe Klappstühle gestapelt. Es ist einfacher, die rauszuholen und eine Gasse nach hinten zu bekommen. Klappt. Geraffel raus, Fahrrad raus, Geraffel wieder ein.

Auf den Frühsport hätte ich verzichten können. 

Im Gegensatz zu gestern ist heute Morgen der Himmel strahlend blau! Die Stimmung deutlich besser, obwohl es heute an die 70 km werden könnte. Bikeline meint sogar 90 - emlebeit!

Da ist Albert sehr viel pragmatischer. Heute ist Samstag, an der Bundesstraße ist ein Superradhighway, immer geradeaus. Watmutdatmut (war das schon der 3.Dialekt! Das muss nicht sein! Ist aber manchmal viel prägnanter, als in Hochdeutsch)

Und eigentlich gibt es viel mehr zu sehen, wenn man durch die Orte fährt und nicht nur durch die Felder.


Gleich im nächsten Ort ist das Wolfcenter. Schade, schade ist noch zu! Aber ich kann mir denken, dass in dieser Gegend der Wolf die Gemüter erhitzt. Gestern ist mir mehrfach aufgefallen, dass seltsame Gestalten - wie Vogelscheuchen, aber mit Schäfermantel an Gartenzäunen hingen. 
Überhaupt Zäune!! Jetzt kommt es mir erst. Vielleicht sind die Wölfe der Grund! Ich habe noch nie, noch gar nie, auf 10km Länge 5 "Zauncenter" gesehen.


Ob die "Mittelweser"-Familie am Samstagmorgen sagt: "Woll´n mal wieder ins Zauncenter? Zäune gucken gehen! War letztes Mal so schön!" Die Schaugelände waren richtig groß, das Bild kann nur einen kleinen Ausschnitt zeigen. Ich fand es auch interessant, mal so einen Überblick über die Trends in der Zaunbranche zu bekommen. Wenn ich das richtig sehe, sind die "Schüttsteinmauern in Gittereisen" langsam auf dem Rückmarsch. Granitwände oder Wände mit Querbalken im Hochwasserschutzmauerstil sind schwer im Kommen. Auch der Zaun mit Plastikplane auf der eine Buchsbaumhecke aufgedruckt ist, scheint beliebt zu sein. Klar, da hat der Buchsbaumzünsler keine Chance! "Und muss nicht geschnitten werden", sagt der Papa unserer Mittelweserfamilie.
An der B215 entlang zu radeln, da kann kein Maisfeld mithalten! 
Dann kommt

Ich wette mit mir, ob danach "Drunter" kommt! - Habe leider verloren. Es gibt heute Abend keinen "Jubi" - passt eh nicht mehr in die Gegend.

Die 25km nach Nienburg habe ich wie nichts weggeputzt. Gut, ich hatte auch leichten Rückenwind.
Nienburg ist ein wirklich sehr schönes Städtchen. Die Fachwerkhäuser um die Kirche können sich sehen lassen.

Die Kirche auch. 


Zumindest von Außen. Innen lutherische Ödnis. Nicht ganz. Eine paar alte Fresken sind noch zu sehen,

 


Die Geschichte von Josua und Kaleb berührt mich immer besonders. Nicht nur als langjähriger Tübinger, sondern weil die Schrift des Alten Testaments auch hier wieder deutlich die Geschichte der Sieger beschreibt. Moses schickt Kundschafter aus, aber nur Kaleb kommt aus Kanaan zurück, mit einer unglaublich schweren Traube - das Land  "wo Milch und Honig fließt". Kanaan ist Palestina und der Libanon und das "auserwählte Volk" beschließt, dass es das Recht hat, sich dort niederzulassen (klar nach etlichen Schwierigkeiten und Kämpfen).

Ab Nienburg habe ich fest vor den Kringeln des Weserradweges zu folgen.
 

Die Weser ist schnell gefunden. Ist schon gewaltig geschrumpft, aber immer noch schiffbar.
- Und schnell wieder verloren. Die Schilder des Weserradweges schicken mich zurück auf den Radweg neben der B215. Na denn.
Ab Estorf geht es dann wieder ins Gelände. Ein richtiger Seenslalom beginnt. Durch den Kiesabbau sind hier Dutzende von Baggerseen entstanden. Nicht wenige davon sind inzwischen Badeseen. Hier würde Friederike in milde Formen der Euphorie verfallen, und ich müsste irgendwann streng sagen: "Nein, Friederike, 2 Seen am Tag sind das Limit!"


Eigentlich ist auch gar kein Badetag mehr. Es hat zugezogen und es ist richtig frisch. Ideal zum Radeln, zum Schwimmen..? Nicht wirklich!

Bei Schlüsselburg  komme ich an eine Schleuse, in der tatsächlich noch ein Frachtschiff liegt. Ich dachte schon, hier sein die Weser nur noch ein Fluss für Freizeitkapitäne.



Ein weiterer Tag an dem ich trocken im Hotel ankomme!! Ein paar Tropfen zum Schluss, das zählt nicht.
Bad Hopfenberg liegt etwas außerhalb von Petershagen und ist eine Rehaklinik. Das Hotel davor ist die Guerilla Antwort auf die Diätpläne der Klinik. Torten und Eis ohne Ende. Der Rollatorparkplatz ist voll. 
Ich frage im Hotel, ob es sich lohnt nach Petershagen runterzufahren. "Mmmh, die Weser, - und das Schloss, was sonst noch..."
Dörverden hatte "Alles" (gemeint waren Supermarkt, Bank, Post und Hotel), aber Petershagen hat immerhin ein Schloss. Also fahre ich kurz runter.
Das Schloss


Muss mal recht stattlich gewesen sein. Es war die Residenz der Fürstbischöfe von Minden. Jetzt rottet es etwas vor sich in. Ein Paar, etwa in meinem Alter kommt hinzu. Sie erzählen mir, das im Schloss mal der Bär gerockt hat. In ihrer/unserer Jugendzeit hatte der Schlossbesitzer einen "Beatschuppen" eingerichtet. Da ist man von weit her gekommen, um "abzudancen" wie man anderen Zeiten gesagt hat.


Kann man sich hier nicht wirklich vorstellen.
Mehr gab es in Petershagen nicht zu entdecken. Zurück auf den Hopfenberg.
Jetzt ist es ruhig. Die meisten sind zurück in der Klinik, die Radfahrer sind auf der Terrasse zum Park unter sich. Es ist sehr idyllisch hier. Kann man aushalten.

Hier werde ich noch ein wenig sitzen. Das "Detmolder" ist sehr lecker.

Bis Morgen! Schaut wieder rein!



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