Montag, 14. Juni 2021

2. Tag von Fulda bis Bad Hersfeld


                                                                                                                                    die Karte
Die beste Nachricht zuerst:
Heute war ich in der Fulda baden. Herrlich! Die Fulda hat uns den ganzen Tag begleitet, erst als kleines träges Bächlein mit braunem Wasser, dann ein bisschen breiter, immer noch voller Sedimente und als ich kurz vor Bad Hersfeld endlich eine Badestelle gefunden habe, hatte sie eine gute Strömung und war immer noch braun und trüb. Aber herrlich. 
Am Nachbartisch saß grad eine Frau, mit der wir uns unterhalten haben- wir sitzen grad beim Abendessen auf einer wunderbaren Terrasse- und sie war entsetzt, dass ich in der Fulda gebadet hab. Macht man nicht, macht niemand, und sie muss das wissen, denn sie kommt aus Fulda, der Stadt. Dann mal sehen, was mit mir heute Nacht passiert...
Heute ging's Hügelchen auf und Hügelchen ab, der Radweg hat sich geschlängelt und die Fulda auch und immer wieder hat Manne beunruhigt das Wasser beobachtet, weil die Fulda scheint's in die falsche Richtung geflossen ist:

Aber alles war gut, das Wetter herrlich, die Landschaft lieblich mit sehr viel Wald, Sumpfwiesen und Blumen.  

Aber auch Grausliches haben wir gesehen:
11 Hochsitze auf den Feldern um ein kleines Waldhügelchen, jeweils im Abstand von 50 bis 100 m, im Halbkreis aufgebaut. Wie im Western, wenn die Indianer eingekreist werden, oder die Siedler, je nachdem. 

Leider kann man die anderen 10 nicht erkennen, bzw. sind nicht auf dem Foto, aber ihr könnt mir glauben, Ehrenwort einer Jägertochter!

Welche Großkopfeten hier wohl zum Jagen geladen sind?

Dafür geht's diesen Angusrindern gut, ein neues Kälbchen ist grade erst geboren worden. Es hat noch ein ganz verklebtes Fell, ist ganz benommen und wird von der Mutter geduldig abgeschleckt, gestupst und angemuht. 


Und jetzt darf der Manne weitermachen:

Ok!? Wird nicht ganz leicht werden, angesichts der Idylle hier:

Hinter mir die Stadtmauer, vor mir Frieda und eine 20köpfige Geburtstagsgesellschaft, zur Linken der Stadtpark, und auf dem Tisch ein lecker Bierchen. Bad Herleshausen ist wirklich schön.

Aber von Anfang an. 
Emil hat mir den Tag gerettet. Emil ist etwa 2 1/2 Jahre alt und hat heute Morgen absolut keine Lust auf Frühstück. Ich schon.
Aber Andrej, nennen wir ihn mal so, hat gestern Abend unsere mühsam ausgestellte Liste für´s Frühstück verschlampert. Keine Liste - kein Frühstück. In Coronazeiten gibt es kein Büfett sondern jeder bekommt das, was er bestellt hat an den Tisch. Wir nicht.
Aber da kommt Emil ins Spiel. Da er keine Lust auf Frühstück hat... bekommen wir die Brötchen von unseren freundlichen Nachbarn. 
Die Radtour kann starten.

 
Ein blankgeputzter Frühsommermorgen, Fulda tiefenentspannt. Wir finden problemlos auf den Fernradweg, - ein Blick zurück. Auf der Rückfahrt nehme ich mir mehr Zeit für diese beeindruckende Stadt.
Die Radwege heute sind allerfeinste Sahne. Fast alle geteert. 1% nur auf  Straßen mit Autos.
Einen besseren Einstieg in unsere Tour kann es nicht geben. Großes Lob den Nord-Ost-Röhnhessen. Schön habt Ihr´s hier. Und ruhig. Die Fulda ist noch klein und plätschert.


Alles ist unglaublich grün und - eine Ruhe. Kein Verkehrslärm, kaum Flugzeuge. Kleine Dörfer




Und die für hier typischen Schwarz-Weißen Fachwerkhäuser.


Und irgendwo sitzt eine kleine Friederike und wartet


den ganzen Tag darauf, dass ihre Badestelle kommt. Fast hätte es nicht mehr geklappt. Es sind nur noch 2 Kilometer bis zum Ziel.

Aber dann:

Und Friederike ist glücklich.

Auf den letzten Kilometern vor Bad Hersfeld werden wir regelmäßig darauf hingewiesen, dass Konrad Duden der wichtigste Sohn der Stadt war,



Dabei ist ein anderer nicht weniger wichtig gewesen - finde ich:




Denn schließlich hat Herr Zuse den Computer erfunden 

"1941 baute Zuse den ersten funktionstüchtigen, vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitkommarechnung arbeitenden Rechner und somit den ersten funktionsfähigen Computer der Welt. " (Wikipedea).
Zwei Connys, die Welt verändert haben. Der eine so richtig. Der andere zumindest die kleine Welt der Deutschen Rechtschreibung. Und beide aus Bad Hersfeld!

Aber mindestens genau so beeindruckend ist die "größte Klosterruine der Welt", um mal wieder in Reiseführersuperlativen zu schwelgen. 


Fulda, Hersfeld, Bebra.. die Gegend hat eine beeindruckende Geschichte, die bis zu olle Bonifaz zurückgeht - und damit zur ersten Christianisierung der hiesigen Stämme. Bekanntlich haben die Sachsen sich das nicht so recht gefallen lassen wollen, was wiederum Karle den Großen nicht amüsiert hat,... aber davon ein andermal!
Jedenfalls wurde eine der größten romanischen Klosteranlagen zur größten Klosterruine überhaupt erst im Siebenjährigen Krieg,1771,  die Französischen Truppen hatten ihn der Klosteranlage ihre Vorräte untergebracht, und als sie sich zurückziehen mussten, haben sie den ganzen Schamott abgefackelt.
Und das hat letztendlich dazu geführt, dass die Bad Hersfelder Festspiele eine beeindruckende Kulisse haben.
Ja, Bad Hersfeld ist wirklich eine Überraschung!
So langsam wird es dunkel, die Lichter gehen an, und die Schnaken steigen über dem Teich im Stadtpark auf. Die Geburtstagsgesellschaft wird immer lauter! Zum Glück verstehe ich kein Wort, denn die Herrschaften sprechen chinesisch und zwar alle gleichzeitig.
Da macht Euer Blogger ebend für heute Schluss. Die morgige Etappe wird die "anspruchsvollste" der Reise werden - zumindest was die Länge und die Höhenmeter betrifft, wir werden die Fulda verlassen und uns auf die Suche nach der Werra machen.
Drückt uns die Daumen - und bleibt uns gewogen. Bis Morgen!







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