Dienstag, 15. Juni 2021

3.Tag: Von Bad Hersfeld nach Herleshausen

 die Karte


Der heutige Tag hat es in sich. Das war mir schon bei der Planung klar. Wenn man von einem Fluss zum anderen will, dann muss man über den Berg. Von der Fulda zu Werra, 200 Höhenmeter, und nach Herleshausen deutlich über 60 km - und es soll heute heiß werden.

Bei der Ausfahrt aus Bad Hersfeld werden noch einmal die Reifen aufgepumpt! Der Fahrradhändler erklärt uns ganz genau, wie wir über den Berg kommen, - doch leider nicht den Weg, den wir fahren wollen: Den Bahntrassenweg natürlich! Das habe ich auf den Fahrten gelernt! Wo eine Eisenbahn hochkam, da komme ich auch locker hoch!

Und so ist es auch. Die Bahntrasse ist schnell gefunden. Super Radweg, alles geteert und 15 km gaanz gemütlich nach oben. Und immer wieder ein ehemaliger Bahnhof:



Von Sorga 

hoch nach


und dann nach Schenklengsfeld zur


ältesten Linde Deutschlands - sagetse - 1200 Jahre soll sie alt sein. In der Mitte ist ein Stein, die ursprüngliche Linde ist wohl irgendwann mal weggefault und 4 Ausschläge wurden in die 4 Himmelsrichtungen gezogen. Versammlungsort, Thing, Gerichtsplatz, - vermutlich, wahrscheinlich, vielleicht. Aber ein toller Baum ist es allemal und genau richtig für die 11 Uhr Banane


Und dann geht´s weiter nach oben. Die Bahntrasse hat jetzt noch ihr Gleis, wir fahren daneben, oder später dann auch etwas steiler hinauf.


Die Bergankunft! Doch der Ausblick ist bescheiden. Windräder neben uns und ein erster Blick auf  die seltsam weißen Berge, die uns die nächste Zeit begleiten werden, und die Friederike in Gefühlswallungen brachte.

Kalihalden. Auch in der Gegend nicht mehr ganz unumstritten. Immerhin fühlen sich einige bemüßigt mit Aufklebern:

"Kali - Brot für die Welt und Arbeit für uns!

auf die Bedeutung des Kalibergbaus hinzuweisen. 
Das Werratal zu dem wir dann recht zügig hinuntersausen, wird dadurch nicht schöner. Und Friederikes Laune auch nicht (doch davon wird sie gleich selbst erzählen). Zumal der einzige Badeplatz auf der heutigen Tour schon belegt war:


In Heringen an der Werra hätten wir uns über die Geschichte des Kalibergbaus informieren können, doch dazu konnte ich Friederike nicht mehr bewegen. So musste ich mir eben die Gerätschaften vor dem Museum ansehen, immer mit Blick auf die riesigen Halden.


Kurz nach Heringen macht der Werraradweg noch einen letzten Versuch auf der Liste der romantischen Flussradwege ein paar Punkte gut zu machen:


Aber ob das wirklich geholfen hat, wird Euch Friederike nun selbst berichten.

(frieda) Also gut:
Der Weg vom Fulda ins Werratal war ja als schwierig angekündigt, aber die Strecke war sehr schön, da strengt man sich ja gerne an. Und ich habe mir die Zeit damit vertrieben unsere durchschnittliche Steigung auszurechnen, im Kopf! Ist gar nicht so leicht, schon der Anfang war schwer: 100 % Steigung sind ja 45 Grad und ..und nach langem Hin und Her bin ich  auf ca 2 % durchschnittliche Steigung gekommen für unsere Strecke. (Wer's genauer wissen will, kann nachfragen und nachrechnen) 
Hinunter zur Werra war's okay aber diese weißen Berge vor uns, dieser Lastwagenverkehr, diese unschönen Straßendörfer. Wer will denn stundenlang an einem Kaligebirge vorbeifahren, in der Luft lag feiner, ätzender Staub  (naja den haben wir uns vielleicht auch eingebildet?), die Werra war nirgends zu sehen und wenn ich eine Badestelle gefunden hätte, wäre ich doch nicht in so eine Düngemittelbrühe gestiegen. In solchen Momenten werden meine Beine plötzlich sooo müde und ich werde immer langsamer. Und dann haben wir auch noch das bisschen Radweg verloren und sind die letzten 12 km auf einer fiesen, schmalen Landstraße gefahren....so war's.
Was ich gelernt habe: wenn man merkt, dass man nicht mehr auf dem Radweg ist, dann lohnt es sich IMMER, die kurze Strecke zurückzuradeln. Augen zu und durch taugt beim Radfahren nicht, sowieso nicht.
Im Örtchen Herleshausen haben wir noch einen schönen Abendspaziergang gemacht, hübsche Fachwerkhäuser, schöne Gärten, es duftet nach Holunder. Und wir entdecken auch vier Stolpersteine für die Mitglieder einer jüdischen Familie. Jedes Kind in der Grundschule hat 50 cent für den Stein der 13 Jährigen Tochter der Familie gespendet. Das hat uns unser Wirt erzählt.

Jetzt ist Fußball, Manne schaut im Zimmer, in der Nachbarschaft hat sich eine große Gruppe auf der Terrasse eingefunden, ich hör den Kommentator von verschiedenen Seiten.
Und über'm grünen Band geht die Sonne unter.


















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