Sonntag, 27. Juni 2021

15.Tag: Von Neuruppin nach Mirow

die Karte 

Albert hat gestern wieder mal sein Vertrauenspunktekonto komplett geräumt. Eher würde ich meine Würfel bei der Ausfahrt aus einer Stadt am Morgen zu Rate ziehen, als Albert auch nur ansatzweise zu glauben. 

Hat heute Morgen aber auch nicht wirklich funktioniert. Gestern sahen wir bei der Einfahrt nach Neuruppin einen Radwegweiser "Rheinsberg", da wollen wir heute als Zwischenetappe hin. Also wieder über den Damm und den Waldweg hoch. Oben zeigt das Schild aber wieder nach unten, das war nicht der Radweg von gestern, die morgendlichen Hunde- und Babyausführerinnen wundern sich, dass wir sie schon wieder überholen. Eine nette junge Frau, gibt uns den richtigen Tipp.  Nicht ein einziges - oder wie wir Schwaben sagen "gotziges" Schild. Liebe Brandenburger, da müsst Ihr wirklich noch dran arbeiten. Ab Altruppin ist der Weg klar.

Ein wunderschöner Morgen, es wird heiß, aber Wolken ziehen auf. 

Und dann beginnt ein Traum von einem Radtag (4/5 der Strecke). Eine richtige Fahrradstraße, frisch geteert kilometerlang schnurstracks durch Kiefernwälder, - links und rechts der Sand und wir auf frischem Asphalt.



"Neulich, ich saach dir, bin ik von Neuruppin nach Rheinsberg, det globste nich, da hat die EU wegen die bescheuerten Ökofuzzis eine Radautobahn durch die Walachei gelegt, Flüsterasphalt und icke fall auf der Straße fon en Loch ins nechste mit meim SUV! Die EU und die ganzen Müsliökos kannste doch in die Tonne treten, wa?!!"
Huch, was war das auf einmal? Gibt es Sekundenschlaf mit Alptraumeinlage auch auf dem Fahrrad?
Scheint so!
Aber die Strecke nach Rheinsberg war wirklich genial. Und das Schloß Rheinsberg auch.


Beste Elf-Uhr-Banane ever! Liegt wirklich genial, das Schloß, 


Vorderseite




Rückseite

Für mich ist Schloss Rheinsberg seit ewigen Zeiten wegen "Rheinsberg" von Kurt Tucholsky in Erinnerung.
Claire und Wolfgang, Baliner Großstadtmenschen schlechthin - nicht verheiratet (das war bei Erscheinen des Buches der eigentliche Skandal) verbringen 3 Tage in Rheinsberg - in der Natur.
Claire, Medizinstudentin mit großer Klappe, ist Else Weil, Wölfchen das nicht minder ironische Alterego Tucholskys.

"Und neben mir saß die Claire, voll Übermut, wie wir damals waren, und brachte durch ihre Existenz beinahe die ganze Kapelle aus dem Takt.“

Beide haben nach ihrem Ausflug geheiratet. Doch die Ehe hielt nicht lange. 
"Claire" Else Weil ist in Auschwitz umgebracht worden.


Dass noch eine berühmte Persönlichkeit auf unserer heutigen Tour treffen würde, hätte ich nicht gedacht. Gleich neben Friedas Badeplatz 2 des heutigen Tages, steht ein eher unscheinbares Häuschen, das das "Alfred Wegener" Museum beherbergt. Wer hätte das gedacht, der geniale Wissenschaftler, der die Theorie der Kontinentalverschiebung entwickelte und deshalb zeitlebens verhöhnt worden ist. Alfred Wegner der Grönlandforscher und Abenteuerer hier in Zechlinerhütte, einem winzigen Örtchen.
Wegeners lebten eigentlich in Berlin, aber seine Mutter stammt aus Zechlinerhütte und das Museum ist in ihrem Elternhaus, wo die Wegeners den Sommer verbrachten.



Alfred Wegener ist auf seiner 4. Grönlandexpedition gestorben, als er seine Kameraden retten wollte.

Während Friederike schwimmen war, habe ich viel Neues erfahren. 
Aber nun soll sie selbst erzählen!

(frieda)
Also fast hätte ich es nicht mehr geschafft, den Blog zu schreiben. Musste erst noch den Sonnenuntergang auf dem Mirower See beobachten:


Es ist so wunderschön hier, man ist versucht, einfach hier zu bleiben. Tagsüber ein bisschen an den Seen herumwandern oder radeln, baden, abends fein essen, Aperol Spritz oder Aperol Bowle süffeln.
Heute war aber auch ein wunderschöner Radeltag und wir kamen super vorwärts. Außerdem habe ich viermal gebadet und jetzt sind meine Arme mindestens so müde wie die Beine.
Das erste Bad , noch vor dem Frühstück im Ruppiner See, in herrlich frischem Wasser, alles ganz still, nur ein paar Enten quakten.
Das zweite Bad am schönen Schlaborn-See, wo wir eine perfekte Badestelle gefunden haben. Ich konnte baden, richtig weit hinausschwimmen, und Manne ein Museum anschauen (siehe oben), wir waren beide hochzufrieden.



Und dann natürlich hier in Mirow auf der Schlossinsel, mein Luxusbadeplatz auf der Hotelwiese ein schöner Badenachmittag:






Wir haben aber auch das Schloss und die Kirche besichtigt- von außen- es ist eine sehr schöne Anlage, wo übrigens die spätere englische Königin Sophie Charlotte (18.Jh) geboren wurde.


Hier die Johanniterkirche



Und nun noch ein kurzer Bericht von gestern Abend, vom Orgelmarathon in Neuruppin:
Es war ein fantastisches Konzert, jede halbe Stunde ein anderer Musiker, sehr unterschiedliche Musik. Und das tollste war, dass die Orgel in dieser Klosterkirche in der Mitte steht, man sieht also jede Bewegung und jeden Handgriff des Musikers. Am besten hat mir  die Toccata und Fuge d-Moll von Bach gefallen ( gespielt vom Organisten der Klosterkirche) mit ganzem Körpereinsatz, mit den Füßen getanzt, die Register gezogen und mit unglaublich schnellen Läufen, es war ein Genuss zuzuhören und zuzuschauen. Und es tut so gut, auch mal wieder ein Konzert zu besuchen. Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis zu den Abendliedern von Rheinberger.

Gestern Orgelkonzert, heute Sonnenuntergang, so eine Radreise kann einen immer wieder überraschen.
Bin gespannt auf Morgen!


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