"´luja, sag´ I!" Der Kringel ist zu. Niederdorla ist umrundet und eingekreist. 1.835km sind es geworden. Darauf
Zu war die Schleife eigentlich schon gegen 11:00 Uhr 6 km vor Bad Herleshausen, an der "Weißen Else", einem Kinderferienheim, am Hessischen Bahntrassenradweg, der zum "Radweg der deutschen Einheit, Point Alpha" gehört.
Hier sind wir, vor 5 Wochen in Richtung Herleshausen geradelt und ich bin heute von "unten" auf dem Fuldaradweg auf die Bahntrasse gestoßen.
Die beiden letzten Etappen hatten es in sich, auch heute wieder deutlich über 70 km und, logischerweise, immer deutlicher bergauf. Aber, wie schon gestern, waren die Windgötter mir sehr wohl gesonnen. Kräftiger Rückenwind hat mich nach Fulda hinauf geschoben.
Hier ist eine "Sumpfwiesenbeobachtungsstation". Ich habe die Sumpfwiesen eine Zeit lang beobachtet, mir ist nichts aufgefallen, die Wiese lag nur rum.
Nach den heftigen Regenfallen der letzten Tage, ist der Wasserstand der Fulda immer noch hoch, aber schon wieder deutlich zurück gegangen. Meine Schuhe waren heute Morgen noch etwas feucht, konnten aber bis Fulda trocknen und sind nicht mehr in Gefahr geraten.
Vor Friedlos fahre ich eine kleine Allee entlang. Doch kein Baum ist wie der andere. Und an jedem Baum eine Art Brett.
Zuerst denke ich an eine Art Arboretum, hatten wir ja auch schon einmal, doch dazu passen die Tafeln nicht, die sind zu "heilig". Also halte ich an. Das ist die Allee der Konfirmationen. Jeder Jahrgang hat einen Baum gepflanzt und auf jeder Tafel sind die Namen der Konfirmanden aufgeführt. Eigentlich eine schöne Idee. Und die "Allee" ist schon recht lang. Es gibt sogar schon eine "silberne Konfirmation"
Und es sind nicht nur Männer, die sich von diesen so wunderschön hässlichen Fahrzeugen faszinieren lassen (Ich war sogar schon im Unimog Museum in Gaggenau).
Diese Dame war so was von happy in ihrem Gefährt! Wollt Ihr Alle sehen? Ich habe sie alle fotografiert! - Nein, muss nicht sein? Wer mosert da im Hintergrund?
Fulda ist ein Schock nach all den Tagen auf dem Rad und den kleinen Orten. Auf einmal brummt wieder der Bär. Die Stadt ist voll, M E N S C H E N M A S S E N wohin man schaut. Die Cafés sind voll, Die Biergärten sind voll, die Kaufhäuser sind voll. Vor den Eisdielen stehen sie Schlange. Straßenmusikanten, ein Musikfest im Hof der "Uni". Skater, Segwayfahrer, Kinderwagenjogger, Rennradfahrer, Hundeausfahrer (im Kinderanhänger) - Zettelverteiler, Bettler, Punks - die ganze Bandbreite! Und mitten drin der Dom
Ein Gebirge aus Stein. Die Menschenmassen branden mit ehrerbietigem Abstand an ihm vorbei.
Heute habe ich mir nur einen kleinen Erkundungsgang vorgenommen. Ich muss mich wieder an die "Menschenwelt" gewöhnen. Außerdem habe ich Morgen noch den ganzen Tag. Ich lege vor meiner Rückreise mit dem Zug noch einen Ruhetag ein, und werde mir Fulda in aller "Ruhe" anschauen.
Ein Schmankerl, dass mich gleich (nach dem Unimog-Empfang natürlich) für diese Stadt eingenommen hat. Sie haben Humor:
Und auch noch Topaktuell. Genderneutral! Oder war die Katholische Kirche mit Ihrer Mode etwa schon immer "Transgender". Oder wollen sie uns damit nur sagen: "Männer, Frauen, pah! Wir waren doch schon immer Crossdresser!
Egal! Die Ampeln sind richtig witzig!
Auf meiner heutigen, letzten Etappe, habe ich natürlich begonnen, die ersten "Listen" zu erstellen, das Resümee der Reise vorzubereiten.
Doch immer wieder kommt mir ein anderer Gedanke dazwischen. Meine Begegnungen mit dem Baron! Soll diese Geschichte einfach so austrudeln? Loses Ende? Sackgasse? Geschichte ohne Schluss? Das gefällt mir nicht.
UND ÜBERHAUPT! Ich habe mindestens 3 Geschichten vorbereitet, die ich dem Baron gerne vorgetragen hätte. Aber, - er hat sich nicht mehr sehen lassen. In Hann. Münden hat ihn der Dr. Eisenbart gestört, "Ab nach Kassel" wollte er auch nicht. Und jetzt bin ich natürlich ganz weit weg von seine geliebten Weser. Dabei habe ich ausgerechnet im drögen Bebra, die tollste aller Geschichten gefunden.
Ich finde, die darf nicht im großen Blogpapierkorb enden.
Ich schreibe dem Herrn Baron einen Brief:
Herrn Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, Bodenwerder
"Sehr geehrter Herr Baron,
es hat mich sehr betrübt, dass unsere sehr anregenden Gespräche ein so abruptes Ende erfahren haben. Wie gerne hätte ich den schlechten Eindruck, den ich mit meiner ersten Geschichte hinterlassen habe, revidiert. Es war mir nicht vergönnt. In der Hoffnung, dass Sie, verehrter Herr Baron, dieser Brief erreicht, möchte ich einen weiteren Versuch wagen:
"Auf meinen Reisen durch die deutschen Lande kam ich eines Tages auch nach Bebra. Wer jemals in Bebra war, wird meine Verwunderung verstehen, dass ich ausgerechnet hier eine "unerhörte" Geschichte erfahren habe.
Als ich nach einem langen Tag in Bebra einfuhr, da kam ich an einem Tor vorbei. Darüber stand geschrieben
Biberkampfbahn? Das Wort wollte mir nicht mehr aus dem Kopf. Am Abend, nach einem kargen Abendmahl, frage ich den Alt-Wirt was es wohl mit dieser "Biberkampfbahn" auf sich habe. "Wundert mich nicht!" sagt dieser, "niemand außerhalb von Bebra schein mehr zu wissen, dass es eine jahrhundertealte Tradition der Biberkämpfe in Deutschland gab. Und Bebra - ursprünglich hieß es "Biberaho" - Ort am Biberfluss, war ihre unbestrittene Hauptstadt. Von Nah und Fern kamen die Kampfbiberzüchter (man nannte sie Biberer) um sich mit den stärksten Vertretern ihres Standes zu messen. Grafen und Herzöge, ja sogar Bischöfe und Kardinäle hatten einen Biberer und sie waren bereit Höchstpreise für einen Kampfbiber Champion zu bezahlen. Für viele Arme war dies eine große Chance, die einzige Chance, zu Wohlstand und Geld zu kommen. Stunde um Stunde verbrachten sie damit einen Kampfbiber zu trainieren. Manch einer vernachlässigte Hof oder Handwerk und ruinierte seine Existenz.
Aber auch die reichen Herrschaften verschuldeten sich bei den Biberkampfwetten oder beim Kauf eines vermeintlichen Großmeisters."
"Verzeiht, aber wie muss ich mir einen Biberkampf vorstellen, mir schienen die Biber recht friedliche Tiere zu sein?"
"Oh, das täuscht! Wenn sich einem Biber etwas in den Weg stellt, so wird er zur Kampfmaschine. Und natürlich wurde bei der Biberzucht - ähnlich wie bei den toro de lidia, der Zucht der Kampfstiere, über die Jahrhunderte immer kämpferischere Biber gezüchtet."
"Aber wie sah denn nun ein solcher Biberkamf aus?"
"Stellt Euch einen großen gestürzten Baum vor. Auf diesen werden an beiden Enden je ein Biber gesetzt. Jede der Seiten wurden vorher mit dem Bibergeil des Gegners markiert. Sehen die Biber nun, ihren Gegner auf "ihrem" Baum rennen sie ihm entgegen, - doch kurz vor dem Zusammenprall machen sie kehrt, stellen die `Kelle´ auf, so nennt der Jäger den Biberschwanz, un beginnen den Gegner mit "Backpfeifen" zu überziehen. Ein jeder versucht den anderen mit gezielter Vor- oder Rückhand vom Baum zu katapultieren. Fällt einer vom Baum, so ist er andere Sieger. Ihr seht, Biberkämpfe sind weit weniger blutig wie Stier- oder Hahnenkämpfe. Wobei ich einräumen muss, dass das Leben eines Meisterbibers oft an einem seidenen Faden hing. Vielleicht habt Ihr davon gehört, dass dem Bibergeil eine aphrodisierende Wirkung zugesprochen wird, und dass es in der Parfumherstellung eine hochbegehrte Substanz ist. Und das Bibergeil eines Meisterbibers war um so begehrter, je mehr Kämpfe er gewonnen hatte. Nun soll es nicht selten vorgekommen sein, dass die Angebetete, Verlobte, Ehefrau oder Geliebte eines Herren als Liebesbeweis von ihrem Anbeter, die Castorbeutel seines Meisterbibers forderte, - ohne zu ahnen, dass sie diesen damit an den Rand des Ruins und eines Nervenzusammenbruchs brachte."
"Aber sagt mir eines, die Biberkampfbahn, an der ich heute vorbei gekommen bin, sie schien mir recht neu zu sein, - und keineswegs aus dem Mittelalter zu stammen."
"Da habt Ihr wohl recht. Biberkämpfe gab es bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Bebra. Das lag wohl auch daran, dass die Grenzregion zu DDR, das sogenannten Zonengrenzgebiee, einfach vergessen worden ist. Was einerseits viel Schwierigkeiten im Alltag mit sich brachte, andererseits konnten sich Traditionen erhalten, die andernorts das "Rad des Fortschritts" längst überrollt hatte. Wir haben, vorwiegend in Eigenarbeit, in den späten 70er Jahren eine neue Biberkampfbahn errichtet, die wir 1984 feierlich einweihen konnten. Zur Eröffnung kamen 98 Kampfbiber aus ganz Europa, und auch aus Kanada und Alaska nach Bebra. Nach dem Fall der Mauer lag Bebra auf einmal "in der Mitte" Deutschlands, Westdeutsche Wettbüros boten Wetten auf Biberkämpfe an, ja man munkelte sogar, die chinesische Wettmafia habe schon ein Auge auf Bebra geworfen. Viel schlimmer jedoch war, dass nun auch die Tierschutzverbände auf unseren edlen Sport aufmerksam wurden und lautstark forderten den Biberkampf zu verbieten. Mit Erfolg! Schon 5 Jahre nach der Wende, musste die Bebraer Biberkampfbahn ihren Betrieb offiziell einstellen"
"Offiziell?" - "Sind Hahnenkämpfe ausgestorbem?"... Er zwinkert mir zu.
Hochverehrter Herr Baron,
das wäre meine Geschichte, dich ich Ihnen hiermit zur wohlwollenden Beurteilung vorlege.
Ihr
vielfach kritisierter Blogger
Manfred.
PS: Eines hat mir der nette Alt -Wirt zu Bebra noch mit auf den Weg gegeben. "Nach dem Verbot der Biberkämpfe haben viele Züchter ihre Tiere einfach freigelassen. Was dazu führte, dass der Biber an der Fulda und seinen Nebenflüssen deutlich kämpferischer ist als seine Artgenossen andernorts. Halten sie die Augen offen, damit sie nicht mit der Kelle eines Fuldabibers Bekanntschaft machen."
Die Reise, und damit auch der Blog geht seinem Ende entgegen. Morgen noch ein Bericht aus Fulda. Montag die Rückreise und dann müsst Ihr zum Frühstück wieder Euer Lokalblatt lesen.
Gute Nacht! Und bis Morgen.

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